Hubley - Kits

Geheimnisvolle Bausatz-Geschichten


MYSTERIOUS KITS TEIL IV


DIE BAUSÄTZE DER FIRMA HUBLEY


Vom Werkstoff Metall zum Plastik und wieder zurück, so ließe sich die Hubley-Geschichte in wenigen Worten zusammen fassen – das Portrait eines ungeheuer vielseitigen und facettenreichen Modell-Herstellers.


Die frühen Jahre


Die "Hubley Manufacturing Company" wurde bereits im Jahre 1894 von John Hubley in Lancaster, Pennsylvania gegründet. Die ersten einfachen Spielzeug-Modelle in der Form pferdegezogener Fuhrwerke, Traktoren und Gewehre erschienen 1909 und bestanden zunächst aus Gusseisen. Um das Jahr 1940 begann Hubley, die Produktion auf Zinkspritzguss umzustellen. Neben so nützlichen Gegenständen wie Türstoppern oder Buchstützen lag schon damals der Schwerpunkt auf Auto- , Truck- und Flugzeug-Modellen.


Nach und nach entwickelte sich aus den einfachen Spielzeugen eine Serie vergleichsweise detaillierter Metall- Nachbildungen populärer amerikanischer Automobile, wobei auch Importfahrzeuge und Trucks berücksichtigt wurden. Zu den frühen Modellen, die im ungefähren Maßstab 1:50 gehalten waren, zählen die Repliken des 1934er Chrysler Airflow, ein 1934er Ford Coupe, ein Studebaker aus den ´30er Jahren und der heute unter Sammlern hoch dotierte 1937er Lincoln Zephyr mit Anhänger.


Als Weiterentwicklung dieser aus heutiger Sicht immer noch recht schlicht gehaltenen Modelle präsentierte Hubley gegen Ende der ´50er Jahre die "Real Toys"-Linie, eine Serie von detaillierten Metall-Fertigmodellen ohne Inneneinrichtungen in 1:50, die aktuelle US-Cars nachbildeten und sich (obwohl etwas kleiner geraten) eindeutig gegen die äußerst erfolgreichen Corgi- und Dinky Toys-Modelle richteten.


Bekannte Modelle aus dieser Serie waren ein meist dunkelgrün lackierter 1958er Imperial, ein 1958er Ford Fairlane als "Sheriff´s Car" und ein 1960er Chevrolet Corvair. Daneben produzierte Hubley weiterhin einfache Spielzeug-Modelle, unter anderem einen Cadillac aus den Jahren um 1940, den es auch als Taxi gab.


Mit der zusätzlichen Entwicklung von Plastik-Bausätzen und fertig montierten Modellen im Maßstab 1:24 sowie der Einführung der aufwändigen "Metal Kits", auf die in diesem Bericht noch ausführlich eingegangen wird, verzettelte und verkalkulierte sich Hubley in den ´60er Jahren. 1969 wurde Hubley von der Firma Gabriel übernommen und produzierte während der ´70er Jahre ausschließlich die Metallbausätze weiter. Ab 1980 gab es zusätzlich noch eine Serie von Baumaschinen und Trucks aus DieCast-Metall im Maßstab 1:43.


In dieser Zeit wurde Hubley von CBS Toys übernommen, die wiederum große Teile der Formen an ERTL und Scale Models aus Dyersville, Iowa verkauften. Unter der Regie dieser beiden Firmen gab es in den ´90er Jahren noch einige Wiederauflagen von Hubley-Metallbausätzen und Fertigmodellen. Heute sind sowohl ERTL und Scale Models als auch Hubley längst Geschichte – ein harter Kern von Liebhabern hält jedoch die Preise für die rar gewordenen Originale hoch und Hubley damit in der Szene lebendig.


DIE HUBLEY-PLASTIKBAUSÄTZE


Zwischen 1959 und 1962 produzierte Hubley unter der Bezeichnung "International Cars" eine Reihe von Plastikbausätzen und Promotional-Modellen nach Vorbildern des amerikanischen Automobilherstellers Ford und einiger europäischer Marken. Dem allgemeinen, von Revell, amt und Jo-Han vorgegebenen Trend folgend, entwickelte
Hubley die Bausätze als "4-Way Kits" mit einer Reihe zusätzlicher Teile für Custom- oder Renn-Versionen. Die Promotional-Modelle gab es dagegen nur im Spielzeughandel mit Friktions-Antrieb, nicht aber als "Dealer Promos" in einer detaillierteren Ausführung.


Entgegen der von Revell, amt und Jo-Han vorgegebenen Größe 1:25 fertigte Hubley sowohl die Bausätze als auch die Promotionals im Maßstab 1:24, wodurch sie deutlich größer als die Modelle der Konkurrenten ausfielen (die Abbildungen zeigen jeweils links ein nachträglich lackiertes amt-Promo des 1960er Ford Starliner Coupes, rechts das Hubley-Bausatz-Modell des 1960er Ford Fairlane Sedans).

Weitere Unterscheidungsmerkmale der Hubley-Modelle im Vergleich zu den Konkurrenten waren die relativ dicken Wandstärken der Karosserien sowie die sehr weichen, teils fast verschwommen wirkenden Konturen und Gravuren des Bodys und der anderen Bauteile. Alle Hubley-Bausätze wurden als "Curbside-Kits" mit verschlossener Fronthaube und ohne Motornachbildung entwickelt, wobei auch die Bodenplatten der Bausätze die unförmige Aussparung des (nicht enthaltenen) Friktions-Antriebs zierte.


DIE HUBLEY-FORDS VON 1960 bis 1962

Für die Ford-Jahrgänge 1960 und 1961 stand bereits amt als Hersteller für die Coupe- und Cabrio-Modelle fest, so dass Hubley auf die weniger gängigen Nachbildungen der viertürigen Sedans und Station Wagons ausweichen musste. Als "Customizing Kit by
Hubley" sowie als Promo erschienen demnach die beiden 1960er Modelle Ford Fairlane Sedan und Ford Country Sedan.


Die beiden fast identischen, dennoch äußerst kunstvoll gestalteten Deckelbilder der Bausätze zeigten eine "Thrill Driver"-Version in Action und versprachen darüber hinaus einen "4-Way Kit", der außerdem noch eine "Dragon Wagon"-, eine "Stock Car"- und eine "Police"-Ausführung enthielt. Während die "Customizing Parts" wie Louvres, Sidepipes, Antennen, Baby Moon-Radkappen und anderes an einem eigenen Chromast zu finden waren, ließen sich die anderen Versionen mit Hilfe des großen, reichhaltig bestückten Decal-Bogens realisieren, der "Police"-Schriftzüge, Flammen-Dekors, stark
vereinfachte Drachenbilder, Startnummern und vieles mehr enthielt.Dem Ford Country Sedan lagen darüber hinaus weitere Abziehbilder für eine "Woody"- Ausführung bei, außerdem enthielt jeder Hubley-Kit ein großes verchromtes Marken-Emblem, das sich neben dem gebauten Modell aufstellen ließ.

Während die gesamte amerikanische Plastikmodellbau-Branche in den Jahren 1960/61 im Umbruch war und immer umfangreichere, detaillierte Kits entwickelte (bei amt bereits ab 1960 mit Motornachbildung!), änderte sich bei Hubley für 1961 nichts. Weiterhin gab es nur "4-Way"-Curbside-Bausätze und Friktion-Promos des "´61er Ford Fairlane 500" und des entsprechenden "Ford Country Sedans". So enthielt der Kit des 1961er Ford Fairlane 500 einschließlich der beiden Metallachsen, der vier Verbindungsschrauben, mittlerweile zweier Decalbögen, aller Customteile und der VinylWeißwandreifen nur 57 Teile, von denen für die "Stock"- Version lediglich 15 benötigt wurden – zu wenig, um mit der Konkurrenz, deren Bausatzschachteln bereits aus allen Nähten platzten, mithalten zu können!

Auch bei den Promotionals hielt Hubley mit der Entwicklung nicht Schritt. Das sture Festhalten am Friktions-Antrieb und die damit verbundene Schlichtheit der Bodenplatten waren spätestens 1961, als nach amt auch Jo-Han endgültig zu detaillierten Fahrwerks-Nachbildungen überging, nicht mehr zeitgemäß. Daran änderten weder die sorgfältig ausgeführte Zweifarben-Lackierung der Modelle (meist eine pastellfarben gefertigte Karosserie mit elfenbeinfarbenem Dach) noch die zahlreichen Hinweise auf besondere Konstruktionsmerkmale der jeweiligen Ford-Automobile am Unterboden etwas, zumal Hubley seine Promos auch noch 1961 aus dem verzugsfreudigen Acetat-Kunststoff fertigte.


So kam es, wie es kommen musste: Für 1962 erschien nur mehr ein Ford Station Wagon in geringen Stückzahlen, bevor Hubley sein Engagement auf dem Plastikmodell-Sektor beendete. Im Gegensatz zu den nachfolgend beschriebenen Modellen europäischer Importfahrzeuge, deren Formen zum Teil noch jahrzehntelang bei den unterschiedlichsten Bausatz-Herstellern herum geisterten, gab es von den fünf Ford-Kits nie mehr eine Wiederauflage, so dass diese seltenen Stücke heute trotz ihrer einfachen Machart relativ hoch gehandelt werden.

 

DIE HUBLEY-"EUROPÄER"


Zeitgleich mit den oben genannten Ford-Repliken brachte Hubley in der "International Car"-Serie Modelle nach europäischen Vorbildern in den Handel, die wiederum als "Customizing Kits" oder Fertigmodelle mit Friktionsantrieb im Spielwarenhandel erhältlich waren. Dabei handelte es sich um insgesamt fünf Modelle französischer, englischer und deutscher Importfahrzeuge (Renault Dauphine, Nash Metropolitan, Triumph TR 3, Rolls Royce Silver Cloud und Mercedes 300 SL), die im Stile der Ford-Repliken als Curbside-Kits sehr einfach und im Gegensatz zu den gängigen 1:25er Nachbildungen im deutlich größeren Maßstab 1:24 gehalten waren.


Der unverkennbare Hubley-Stil bescherte auch diesen Bausätzen kunstvoll gestaltete Schachteln im Design der Ford- Kits, die ebenfalls den Hinweis "4-Way Kit" trugen. Neben der "Stock"-Version waren - wiederum an einem Chromast – Teile für ein "Custom Car" sowie Decals für ein "Rallye Car" und einen "Road Racer" enthalten. Selbst das große verchromte Zeichen der jeweiligen Automarke, in jenen Jahren ein wichtiges Identifikationsmerkmal der Hubley-Kits, durfte in diesen Bausätzen nicht fehlen. Wie bei den Fords trugen die sehr einfach gehaltenen, einteiligen Bodenplatten eine große, oft störende Aussparung für den Friktionsantrieb, obwohl dieser hier gar nicht vorgesehen war.


Der Renault Dauphine von 1960 zählte neben dem Nash Metropolitan zu den beiden Bausätzen nach europäischen Vorbildern, von denen es keine Wiederauflagen anderer Hersteller mehr gab – entsprechend hoch ist heute der Sammlerwert einer solchen Rarität!

Fast interessanter als die sehr simpel gestrickten Bausätze selbst waren die kunstvoll gestalteten Deckelbilder dieser Kits, deren liebevolle Illustrationen ganze Geschichten erzählten: So zeigte das Bild der Dauphine-Schachtel nicht nur glückliche Menschen in einer schneebedeckten Landschaft und ein Paar im Auto auf dem Weg zum Skifahren, sondern in der rechten oberen Ecke einen Wegweiser mit der Aufschrift "Squaw Valley" – ein damals hoch aktueller Hinweis auf den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1960!


Bei der im unverwechselbaren Hubley- Weichzeichner-Stil gefertigten Dauphine Karosserie fiel vor allem ein geöffnetes Schiebedach auf, das einerseits einen ungestörten Blick in den Innenraum erlaubte, sich andererseits aber auch mit einem
eigenen, sehr passgenauen Plastikteil verschließen ließ. In Anlehnung an den Heckantrieb des großen Vorbildes verpflanzten die Hubley-Entwickler die halbrunde Beule des Friktionsantriebs, die bei dem relativ kleinen Modell besonders überdimensioniert wirkt, an die Hinterachse der Renault-Replik.


Den typisch amerikanischen Stil, der auch vor kompakten Europäern nicht halt machte, verkörperten die Customteile des Bausatzes am Chromast: Neben den Scheinwerfern, Rücklichtern und Stoßstangen der Serien-Version sowie dem
Skiträger mit Skistöcken fanden sich hier Heckflossen im Stil des 1959er Cadillacs (!), riesige Fender Skirts, eine Schute für die Windschutzscheibe, Zierteile für die Fahrzeugseiten, Speichenradkappen, Fanfaren und Antennen. Nachdem es möglicherweise Lizenzprobleme mit dem eigentlichen Renault-Emblem gab, lag dem Kit ein verchromter Eiffelturm mit Renault-Schriftzug bei. Der Decalbogen enthielt Startnummern, rot-schwarze Rallyestreifen, Flammendekorationen für die Fronthaube und die Seitenteile sowie Pinstripings für eine Custom-Version.

 

Obwohl der Nash Metropolitan eine amerikanische Karosserie trug, wurden das Fahrwerk und der 1100 ccm-Motor seinerzeit komplett von der Firma Austin aus England importiert. Den Hubley-Bausatz dieses kleinen, schnuckeligen Anglo-Amerikaners, der wie die Dauphine niemals wieder aufgelegt wurde, gab es nur als offenes Cabriolet, während die ebenfalls angebotenen Fertigmodelle auch mit Hardtop zur Verfügung standen.


Warum dieses Hardtop, dessen Spritzform ja vorhanden war, den Bausätzen vorenthalten wurde, wird wohl für immer das Geheimnis der Hubley-Entwickler bleiben. Dafür lagen dem Metropolitan-Kit im Gegensatz zu den meisten anderen
"Europäern" fünf Reifen und ebenso viele Radkappen bei, da das Auto optional über ein außenliegendes Reserverad am Heck verfügte.

Obwohl die Abschieds- (oder Begrüßungs-?) Szene am Hafen auf dem Deckelbild einen offenen Kofferraumdeckel zeigte, blieb dieser wie bei den anderen Curbside-Kits von Hubley verschlossen. Auch beim offenen Metropolitan bestand das Interieur lediglich aus drei Bauteilen (Innenraumwanne, Armaturenbrett, Lenkrad) und wies nur eine minimale Detaillierung auf, während die rustikalen Metallachsen die unmittelbare Verwandtschaft zu dem ebenfalls im Spielwarenhandel erhältlichen Fertigmodell demonstrierten. Dieser Tatsache war auch geschuldet, dass der Modellbauer laut Bauplan sowohl die (verchromten!) Felgen in die äußerst harten Weißwandreifen als auch die Metallachsen in die Felgenaufnahmen unter Zuhilfenahme eines Holzklotzes mit einem Hammer (!) zu treiben hatte – Modellbau mit Holzklotz und Hammer, im Zeitalter der feinen und feinsten Bauteile sowie der verschiedensten Pinzetten eine amüsante Vorstellung!

Wie die Abbildung des gebauten Modells zeigt, gelang es Hubley trotz einfachster Bauweise, die Proportionen und das Erscheinungsbild des Triumph TR 3 glaubwürdig in den Maßstab 1:24 umzusetzen. Das Bild offenbart aber auch mit den klobig geratenen "Speichenrädern" einen der größten Schwachpunkte vieler Hubley-Modelle. Die ambitionierten und an das Improvisieren gewohnten Modellbauer der ´60er Jahre gingen daher schon bald dazu über, die Hubley-Autos (an denen niemand vorbei kam, weil kein anderer Hersteller Modelle nach so exotischen Vorbildern im Programm hatte!) mit den Rädern von amt, mpc, Revell oder Heller aufzuwerten.

Der Bausatz des Triumph TR 3 "Grand Touring" kam ebenfalls als "4-Way Kit" mit zahlreichen, dem amerikanischen Geschmack dieser Zeit angepassten Custom-Teilen inklusive einem verchromten Triumph-Emblem, Weißwandreifen (!), einem ungeheuer aufwändigen Decalbogen, einem Überrollbügel für die Rennversion und sogar einem geschlossenen Verdeck zum Einheitspreis von 1,69 Dollar zum Kunden. Das gezeigte Deckelbild bemühte einmal mehr das überaus beliebte Jet-Piloten-Klischee, ein zweites bekanntes, nicht minder kunstvoll gestaltetes Deckelbild zeigte den Triumph in einer sportlich gefahrenen Kurve auf der Rennstrecke.


Der Rolls Royce Silver Cloud bildete in dreierlei Hinsicht eine Ausnahme innerhalb der "International Car"-Serie: Als "Special Features Kit" bot er eine archaische, einteilige Motornachbildung unter der beweglichen Motorhaube sowie einen ebenfalls beweglichen Kofferraumdeckel, besaß aufgrund seiner "besonderen Würde und Eleganz" (Originalton Prospekt) weder Custom-Teile noch Decals und kostete statt 1,69 immerhin 1,98 Dollar – die Obergrenze für einen derartigen Bausatz in jenen Tagen!

Mit insgesamt 38 Bauteilen, einer Länge von 22,5 Zentimetern und seinem sehr gut getroffenen, eindrucksvollen Erscheinungsbild stellte der Rolls Royce Silver Cloud das Highlight der "International Cars"-Serie von Hubley dar. Als Hintergrund für das Deckelbild wählten die Hubley-Künstler ein amerikanisches Raketen-Testgelände, während die Teile des Bausatzes ebenfalls ganz unbritisch in einem hellen Blau erschienen (die Abbildung zeigt eine Revell-Wiederauflage mit schwarzen Bauteilen). Aufgrund einer Reserverad-Nachbildung im Kofferraum besaß der Rolls Royce-Bausatz wie der Metropolitan fünf Räder, natürlich ausgestattet mit den unvermeidlichen Weißwandreifen.

Während die Hubley-Entwickler beim Rolls Royce Silver Cloud also auf den üblichen Customizing-Schnick-Schnack verzichteten, gingen sie beim Bausatz des Mercedes 300 SL Roadster wieder in die Vollen und erlaubten es den amerikanischen Modellbauern, die europäische Sportwagen-Ikone mit Fender Skirts, Heckflossen, Louvres, Spinners, Baby Moon-Radkappen, Lufthutzen, Sidepipes und Antennen "aufzuwerten". Es gab aber auch noch anderes, sinnvolleres Zubehör in diesem reichhaltig ausgestatteten Kit: verchromte Speichenradkappen, einen ebenfalls verchromten Gepäckträger, eine rot eingefärbte Verdeckabdeckung (der Bausatz selbst erschien in weißem Plastik), einen großen Mercedesstern mit Sockel und - man höre, staune und denke an den Metropolitan zurück – sogar ein Hardtop!


Solcherart ausgerüstet, erreichte der 300 SL-Bausatz fast die magische Zahl von 60 Bauteilen, wobei die Serien- Version auch hier aus nur 21 Teilen (inklusive Achsen und Schrauben) entstand. Für die Renn- und Rallye- Versionen legte Hubley dem 300 SL den gleichen umfangreichen Decalbogen bei, der auch im TR 3 zu finden war. Neben Rennstreifen, Startnummern sowie "Watkins Glen" und "Sebring"-Aufklebern gab es hier auch Nationalitätszeichen ("USA", "GB") und Kennzeichen zur Verfeinerung des Modells. Auch bei diesem Modell waren zwei kunstvoll gestaltete Deckelbilder im Umlauf: eine Boxen- und eine Rennszene.

Obwohl die Proportionen und vor allem die Räder des Mercedes 300 SL aus heutiger Sicht eher fragwürdig wirkten, stellte dieser Kit für die Modellbauer der ´60er Jahre doch eine echte Offenbarung dar, mindestens aber eine hervorragende Basis für Umbauten und Verfeinerungen. Und obwohl die Hubley-Bausätze in der boomenden Plastik- Szene der ´60er Jahre schnell in´s Hintertreffen gerieten, beweist die Tatsache, dass der 300 SL, der Rolls Royce Silver Cloud und der Triumph TR 3 noch fast 40 Jahre nach ihrem Erscheinen als Wiederauflagen präsent waren, dass diese Kits damals in irgendeiner Hinsicht ihrer Zeit doch weit voraus gewesen sein mussten!

DIE HUBLEY-METALLBAUSÄTZE


In einigen der oben beschriebenen Plastikbausätze (Renault Dauphine, Nash Metropolitan) lagen 1960 farbige Flyer, die "a new concept in hobby kits" anpriesen: die ersten "Metal Car Kits by Hubley". In der Tat stellte das Konzept mit den schweren, soliden Metallkarosserien in Verbindung mit Kunststoffteilen für die Innenausstattungen zu Beginn der plastikdominierten ´60er Jahre eine kleine Revolution und gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal für Hubley dar.


Der genannte Flyer listete zunächst vier Modelle der neuen Serie auf: Einen Ford Model A Pickup, einen 1932er Ford Custom Roadster, einen Indianapolis Racer und einen Ford Model A Roadster. Zum Maßstab dieser Modelle machte der Flyer keinerlei Angaben – nur einmal, beim Ford Custom Roadster wurde eine Gesamtlänge von sieben Inches erwähnt, was in etwa der Größenordnung 1:20 entspricht. Der Preis für diese Kits lag denn auch deutlich höher als bei den Plastikbausätzen und stellte für die damalige Zeit mit 2,98 Dollar die absolute Obergrenze dar.


Die Metal Kit-Serie geriet auf Anhieb zum Erfolg und wurde in Windeseile weiter entwickelt. Unverständlicherweise griffen die Hubley-Entwickler dabei auf unterschiedliche Maßstäbe zurück: Während die Ford- und Chevrolet- Modelle die Baugröße 1:20 beibehielten, fielen die Packards mit 1:22 erheblich kleiner, die Duesenberg-Repliken dagegen mit 1:18 wiederum deutlich größer aus. Das Grundkonzept dagegen blieb bei allen Bausätzen stets das Gleiche: Rahmen, Karosserien, Achsen (inklusive lenkbarer Vorderräder!) und die Motorblöcke bestanden aus Zinkspritzguss, die Teile für die Felgen, die Sitze, Verdecke, Scheinwerfer, Rückleuchten und Stoßstangen dagegen aus (teilweise verchromtem) Kunststoff, ergänzt durch weiche Gummireifen. Den frühen Kits lag eine Klarsichtfolie für die Scheiben bei, später gab es stattdessen gespritzte Klarsichtteile und in den aufwändigeren Bausätzen sogar Klebefolien für die Weißwandreifen sowie die Gestaltung der Türverkleidungen. Bestanden die ersten Metal Kits von 1960 noch aus 50 bis 55 Bauteilen, hatte sich deren Anzahl bis Mitte der ´60er Jahre auf ein Maximum von 150 Teilen gesteigert (die Abbildung zeigt das Ford Model A Coupe im Maßstab 1:20, das allerdings nur ca. 55 Teile enthält).


Wie die verschiedenen Abbildungen zeigen, konnten aus den Hubley Metallbausätzen wirklich schöne Modelle entstehen – der Weg dahin war allerdings steinig und mit zahllosen Widrigkeiten gepflastert! Insbesondere die Metallteile wurden durch enorme Gussgrate sowie stabile Auswerferstifte verunziert, die mit einem Seitenschneider vorsichtig entfernt und dann mit der beigelegten Feile sorgfältig abgefeilt werden mussten. Dabei galt es, die eigentliche Form der Bauteile nicht zu beschädigen, was dank der Dicke und Festigkeit des überschüssigen Materials dennoch oft genug geschah.


Die Verbindung der Metall- und Plastikteile erfolgte größtenteils mit den beigelegten Schrauben, wobei die Schraubenlöcher erst mühsam freigelegt und dann auf die richtige Größe aufgebohrt werden mussten. Ein Hauch zu groß und die Schraube drehte leer durch, was die Befestigung des jeweiligen Teils ungemein komplizierte. Über die grundsätzlich zweiteiligen Karosserien, die oft genug auch noch hoffnungslos verzogen waren, verlief eine hässliche Trennungsnaht, die aufwändig verspachtelt und verschliffen werden wollte. Wer die relativ rauen Karosserie-
Oberflächen wirklich glatt haben wollte, musste sich auf mehrstündige, nervtötende Schleiforgien einstellen – so mancher hoffnungsvolle Modellbauer kehrte nach dem ersten Hubley Metal Kit reumütig wieder zum Plastikbausatz zurück!

DIE HUBLEY METAL KITS DES FORD MODEL A


Der Entwicklungsaufwand, den Hubley für die komplexen Metallbausätze treiben musste, führte dazu, dass lediglich drei Grundtypen in unzähligen Variationen produziert wurden. Allein vom Ford Model A, mit dem die Serie in´s Leben gerufen
wurde, gab es sieben verschiedene Versionen, die alle auf die gleichen Rahmen-, Chassis-, Achsen- und Motorenteile zurück griffen. Zu den beiden ersten Bausätzen der Serie, dem Ford Model A Pickup und dem zweisitzigen Roadster gesellten sich nach und nach ein Ford Model A Phaeton als viersitziges Cabriolet, die zweitürige Limousine "Victoria", ein Model A Stationwagon als "Woody", das zweitürige Model A Coupe und der "Town Sedan" mit vier Türen. Die Firma Scale Models aus Dyersville,
Iowa legte alle sieben Model AVersionen in den ´90er Jahren noch einmal in großen Stückzahlen auf, so dass diese Modelle auch heute noch relativ häufig zu finden sind.

DIE HUBLEY METAL KITS DES CHEVROLET VON 1932


Obwohl der 1932er Chevrolet laut Hubley-Prospekt "The most popular car of the year" war, befanden die hauseigenen Marketing-Strategen offenbar, dass dieses Modell nur in drei Ausführungen erscheinen durfte. So gab es den ´32er Chevrolet als zweisitzigen Roadster mit beweglichem Schwiegermuttersitz ("Rumble Seat"), als ebenfalls zweisitziges "Five Window"-Coupe und als viersitzigen "Phaeton", wie die Fords im Maßstab 1:20 gehalten. Auch diese drei Modelle wurden von Scale Models wieder aufgelegt, sind aber heute trotzdem seltener zu finden als die Ford-Repliken

DIE HUBLEY METAL KITS DES PACKARD VON 1930


Mit insgesamt 140 Bauteilen deutlich aufwändiger gestaltet als die Fords und die Chevys, aber leider auch im etwas kleineren Maßstab 1:22 erschienen in der Metal Kit-Serie von Hubley drei verschiedene Ausführungen des Packard von 1930: der Packard Dietrich Convertible Victoria, ein viersitziges Cabriolet, das aber nur geschlossen entstehen konnte, der Packard Sport Phaeton mit langer Karosserie und einer eigenen Windschutzscheibe vor den hinteren Sitzen, der sich wiederum nur offen bauen ließ und der zweisitzige Packard Roadster mit aufklappbarem
Schwiegermuttersitz und geschlossenem Verdeck.
Alle Packard-Bausätze besaßen Chromteile für die Speichenräder, die Stoßstangen, die Scheibenrahmen, die Scheinwerfergläser, den Kühlergrill, den Gepäckträger und diverse Kleinteile an Fahrwerk und Motor. Wie bei den Fords und den Chevys lagen Klebefolien für die Weißwandreifen bei, erstmals aber auch für die Innenverkleidungen der Türen und das Armaturenbrett. Darüber hinaus realisierte Hubley bei diesen Modellen bereits die äußerst komplexe Schneckenlenkung mit einem eigenen Lenkgetriebe, die sich auch bei den Duesenberg-Modellen fand. Alle drei Packards erschienen in der Mitte der ´90er Jahre noch einmal bei Scale Models, sind aber heute vom Markt nahezu verschwunden.

DIE HUBLEY METAL KITS DES DUESENBERG VON 1932


Die Krönung der Metal Kit-Serie von Hubley stellten zwei Duesenberg- Bausätze, der SJ Dual Cowl Phaeton und das SJ Town Car dar, die unerklärlicherweise im Maßstab 1:18 gehalten waren. Mit ihrer beeindruckenden Größe und einer Detaillierung, die alle anderen Metal Kits bei weitem übertraf, stellten diese Bausätze allerdings auch preislich das Ende der Fahnenstange dar. Allein 34 Bauteile mussten für die Replik des "Supercharged"-Motors zusammen gefügt werden, außerdem lagen flexible Stahlfedern für die Auspuffrohre, Klebefolien für die Weißwandreifen und die
Innenverkleidungen sowie beim Phaeton-Kit zwei Dächer bei. Das abgebildete braun/beige Duesenberg Dual Cowl Phaeton-Modell zeigt deutlich, welches Potential in diesen Bausätzen steckt, wenn die hervorragende Basis konsequent verfeinert und veredelt wird. In diesem Falle erhielt die Replik anstelle der beiliegenden verchromten Plastikfelgen sechs maßgeschneiderte fotogeätzte Speichenräder
einschließlich originalgetreuer Nabenabdeckungen, eine lederbezogene Innenausstattung, einen Verdeckbezug aus feinem Stoff, einen Echtholzkoffer und separat eingesetzte Weißwände an den Reifen.

Damit nicht genug: Alle verchromten Plastikteile wurden durch exakte Metallnachgüsse ersetzt, die anschließend neu verchromt werden mussten und so über einen weitaus tieferen und authentischeren Glanz verfügten als die Bausatzteile. Die senkrechten Streben des Kühlergrills wurden einzeln eingesetzt, so dass der Blick auf den dahinter liegenden Kühler frei blieb. Weitere Verfeinerungen betrafen die Scheinwerfergläser, zusätzliche Details an Motor und Fahrwerk sowie die Auspuffanlage – ein enormer Aufwand, der sich aber beim Betrachten des fertigen Modells schnell wieder relativiert!


Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung: Nach der Übernahme von Hubley durch Gabriel erschien zu Beginn der ´70er Jahre eine weitere "Metal Kit"-Serie, diesmal (wie alle anderen Hubley-Bausätze in dieser Zeit auch) unter dem "Gabriel"-Logo. Dabei handelte es sich um drei Ford T-Modelle: den Touring von 1909 als viersitzigen Phaeton, den zweisitzigen Sport Runabout von 1909 mit Notsitz und den Depot Hack- Lieferwagen mit Holzaufbau von 1912.

Diese eindeutig von Hubley entwickelten Bausätze waren wiederum im Maßstab 1:20 gehalten und fielen mit 120 Metall- und Kunststoffbauteilen sehr detailliert aus. Neben messingplatierten Teilen enthielt jeder Kit einteilige Reifen/Felgen-Kombinationen aus weißem Plastik, was bedeutete, dass die Felgen äußerst sorgfältig abgedeckt und lackiert werden mussten, um die Reifen nicht zu verunreinigen. Die Ford T-Modelle von Gabriel wurden nie mehr neu aufgelegt und stellen heute hoch dotierte Raritäten dar.


Leider konnte im Rahmen dieses Berichts nicht auf die zahlreichen weiteren Modell- und Bausatzserien der Firma Hubley eingegangen werden. Mit welcher überschäumenden Kreativität und Innovationsfreude dieser Hersteller zu Beginn der ´60er Jahre auf den Markt drängte, lässt sich jedoch gut nachvollziehen – für Hubley bedeutete das damals zwar das schnelle Aus, gleichzeitig aber für immer einen Ehrenplatz im Herzen der Sammler!

 

Weitere gebaute Hubley- Plastikmodelle:
(Rainer Mill, Görlitz)

Weitere gebaute Hubley Metal Kits:
(Rainer Mill, Görlitz)

Text und Bilder: Gerhard Hoffmann


Die gebauten Hubley-Modelle stammen von Günther Eberhardt, München (´60er Ford Fairlane Sedan, Triumph TR 3 und Mercedes 300 SL),
Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg (´61er Ford Station Wagon) und
Rainer Mill, Görlitz (Rolls Royce Silver Cloud).


Ein ganz herzliches Dankeschön auch an Axel Deist, Frankfurt, der einige wichtige Informationen zur Verfügung stellte.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Stocker Erwin (Donnerstag, 26 Februar 2015 07:18)

    Ich hatte selbst 3 solcher Modelbausätze gekauft und korrekt zusammen gestellt.
    Dabei entstanden für mich keinerlei Probleme; ausser dass es zeitaufwändiger als Plastik-Bausätze zusammenzusetzen. Die Modelle lackierte ich zweifarbig und brannte die lackierten Metallteile im Backofen zusätzlich ein.
    Leider fand ich keinerlei Hubley Bausätze mehr; was ich sehr bedauerte.