1958 Ford Fairlane 500

1958er Ford Fairlane Annual-Kit, Maßstab 1:25, AMT


Wir schreiben das Jahr 1958. Irgendwo in den USA hat ein kleiner Junge zum Geburtstag von seinem Vater gerade einen Modellbausatz aus dem ganz neuen Material "Plastik" bekommen. Es ist der allerletzte Schrei am US-Spielzeugmarkt in diesem Jahr! Die Augen des Jungen glänzen und beim Öffnen der bunt bedruckten Schachtel weiß er vor lauter Freude gar nicht, was er zuerst machen soll. So ruft er begeistert:

"PAPA, ES IST GENAU DAS GLEICHE AUTO, DAS WIR IN DER
GARAGE STEHEN HABEN!"


Der kleine Junge kann es nun gar nicht mehr erwarten, das Modell zusammen zu bauen. Daraufhin kleben Vater und Sohn das Automodell mit all seinem Zubehör schnell zusammen und bringen die beiligenden Abziehbilder an. Dann stellt der kleine Junge voller Stolz das fertige Modell vorsichtig auf seinem Nachttisch und schläft abends ganz selig, von seinem neuen Auto träumend, ein.....

50 Jahre später: Oliver Löbert aus "Good Old Germany" ersteigert das immer noch existierende Plastikmodell des ehemals kleinen Jungen im Internet auf Ebay USA. Es geht hier um den originalen 1958er AMT-Kit des Ford Fairlane Hardtop Coupes. Die Modellbauer in den USA würden diesen Bausatz heute als "Holy Grail" ("Heiliger Gral") bezeichnen. Im amerikanischen Ebay wird er "mint boxed" für 350 Dollar fast mit Gold aufgewogen. Als Ruine (wie hier) zum Restaurieren ist er immerhin noch gut knapp 100 Dollar wert! Das ist kein Wunder, denn der Bausatz ist nun über 54 Jahre alt und erschien niemals mehr als Wiederauflage. Die Alternative: Modelhaus bietet mittlerweile eine gute Kopie als Resin-Kit für 77 Dollar an.


Beim ´58er Ford handelt sich um einen ganz einfachen Curbside-Kit, wie es bei allen anderen Bausätzen aus dem ersten Jahr von AMT üblich war. Leider hat der kleine Junge die Fender Skirts richtig gut hingeklebt und dem deutschen Nachfolger damit einen Tag Arbeit verschafft, um die Radläufe zu rekonstruieren. Dies klappte mit Hilfe von Bildern eines Reparaturblech- Lieferanten aus einer USA-Website, die, auf die richtige Größe skaliert, die ideale Vorlage zum Gravieren und Schleifen lieferten.


Alle Formtrenn-Nähte der Karosserie wurden danach ebenfalls verschliffen. Da die Frontscheinwerfer von den Proportionen her eher zu klein erschienen, mussten ihre Öffnungen aufgebohrt und für minimal größere Leuchten vorbereitet werden. Als nächstes erhielt die Karosserie eine hauchdünne Schicht Grundierung, um die Feinheiten überarbeiten zu können (Krater, Kratzer usw).


Nachdem die Karosserie fertig vorbereitet war, erfolgte die Endlackierung. Das ganze Modell wurde komplett in Reinweiß mit Acrylfarbe aus der Dose lackiert. Nach einigen Trocknungstagen wurde der Body für den zweiten Farbton (blau) abgeklebt. Die Farbvorlage stammte wie immer aus dem Internet. Nach den beiden Lackiervorgängen und einigen weiteren Trocknungstagen sorgte die Polierarbeit mit einem feinen Vorschliff und danach Unipol als Poliermedium für den erwünschten Glanz. Diese Arbeitsweise ist ideal für Acryllack in Unifarben.


Während der Trocknungstage ließ sich der Innenraum fertig stellen. Er wurde in dem Karosserie-Farbschema blau/weiß lackiert, jedoch mit matten Finish. Als nächste Baustufe folgte die Verchromung mit Bare Metal Foil "Chrome" für alle Zierleisten und "Gold" für die Inlets der Seitenteile.


Bei den letzten Modellen kam bereits eine neue Technik zur Anwendung, die zwar einfach zu handhaben ist, aber eine große Wirkung erzielt. Mit einem schwarzen Edding werden die Front- und Heckscheibeneinfassungen im inneren Drittel umlaufend geschwärzt. Dies simuliert die Gummidichtungen an den Scheiben und eliminiert den Vollchrom- Effekt, der die Modelle oft spielzeughaft wirken lässt.


Danach wurden die Scheiben eingeklebt und das Interior angebracht. Der Unterboden ist wie immer bei Curbside- Modellen sehr einfach gehalten. Er ließ sich in einem Stück mattschwarz lackieren und mit Detaillierungsfarben absetzen. Mit Pastellkreide wurde dann eine leicht gebrauchte Optik erzeugt, um das Modell realistischer wirken zu lassen. Die Reifen wurden an der Lauffläche leicht angeschliffen und die Weißwand von Hand mittels Gummifarbe aufgetragen. Die Radkappen und der Grill erfuhren eine zusätzliche Detaillierung mittels Washing, um mehr Tiefenwirkung zu erzeugen.

Jetzt mussten die einzelnen Baugruppen nur noch zusammen gebaut werden. Doch zu allerletzt wagte sich der Autor noch an das Experiment "Ätzteile". Da beim Lackieren der Karosserie die zarten Schriftzüge nahezu verschwunden waren, musste etwas geschehen. Die Idee mit den Ätzteilen ist zwar nicht neu, aber für dieses alte Modell gab es natürlich keinen Satz von MCG aus den USA. Was tun? Ein intensiver Vergleich mit dem relativ aktuellen 1957er Ford Fairlane von AMT führte zu einem unglaublichen, aber wahren Ergebnis: Es handelte sich um die gleichen Schriftzüge in der gleichen Größe!


Also wurde sofort ein Satz Schriftzüge in den USA bestellt. Da der Autor das erste Mal mit dem Thema "Ätzteile" zu tun hatte, war er am Anfang wirklich überrascht, wie schwierig sich der Umgang damit gestaltete. Für Anfänger sind diese filigranen Teile nicht zu empfehlen, denn sie lassen sich ohne Lupe und Pinzette unmöglich verarbeiten. Mit viel Geduld und Spucke funktionierte es dann doch noch - der Effekt ist sagenhaft und keine andere Technik kann optisch mit den Schriftzügen aus Ätzteilen konkurrieren. Als Modellbauer lernt man halt nie aus....


Nun stand der Ford ein zweites Mal fertig vor seinem Erbauer und erfüllte ihn wiederum -nach gut einem Jahr Bauzeit mit großen Pausen und vielen Rückschlägen - mit Stolz. Es hat sich wirklich gelohnt, dieses Modell mit seiner ganz besonderen Geschichte sorgfältig und geduldig fertig zu stellen. Und was ist wohl aus dem kleinen Jungen vom Anfang dieser Geschichte geworden? Er müsste heute um die 60 Jahre alt sein und kann sich bestimmt immer noch genau daran erinnern, als ihm sein Vater das kleine Auto schenkte...


Text, Bilder und Modell: Oliver Löbert, Ansbach

Kommentar schreiben

Kommentare: 0