1969 Plymouth Barracuda Mod Top

1969 Plymouth Barracuda Coupe Mod Top, Resin, Maßstab 1:25


LOVE AND PEACE


Warnung: Wer den Glauben an den guten Geschmack nicht verlieren will, nachts oft schlecht träumt oder schreckhaft ist, sollte bitte nicht weiter lesen! Alle anderen geschmacksresistenten Autofans werden sich aber verwundert die Augen reiben: So etwas hat´s wirklich gegeben?


Die "Mod Tops"


Wir schreiben das Jahr 1969: Die USA kämpft einerseits im Vietnam-Krieg, andererseits entwickelt sich ein Rock- Konzert in einem kleinen Ort namens Woodstock zu einer Massenbewegung und wird für eine ganze Generation zum Synonym gegen Gewalt. "Love not War" heißt die Parole, "Love and Peace" wird hemmungslos ausgelebt: Die Hippies, in Deutschland "Blumenkinder" genannt, regieren die Jugend.


Wobei wir auch schon beim Thema "Blumen" sind. Die Blume war in den späten ´60ern und frühen ´70ern das Symbol gegen Krieg und Gewalt. Wie Scott McKenzie schon 1967 in dem Lied "San Francisco" sang: "Be sure to wear some flowers in your hair". Scheinbar dachten sich die Designer bei Chrysler: "Wenn schon nicht im Haar, dann wenigstens auf dem Autodach" und kreierten für die Jahre 1969 und 1970 folgerichtig eine der irrsten und verrücktesten automobilen Stilblüten, nämlich Vinyldächer und Innenausstattungen mit psychedelischem Blumenmuster!


Die bei Plymouth und Dodge erhältliche Option geriet trotz der Flower Power- Hysterie zum absoluten Flop, was diese Autos für den heutigen Mopar-Fan zur heiß begehrten Rarität macht. Erhältlich waren drei verschiedene Muster: Entweder in gelb/grün/schwarz, in grün/gold/hellblau oder ganz extrem in dunkelblau/hellgrün. Allerdings ließ sich nicht jedes Muster mit jedem Auto kombinieren: So gab es das gelbe Muster nur für den 1969er und 1970er Plymouth Barracuda ("Cuda"), das blaue nur für den 1969er Satellite und den 1970er Cuda und das grüne für die Dodge-Modelle Swinger, Dart, Coronet und Super Bee von 1969. Im Übrigen hießen die Muster bei Dodge nicht "Mod Top", sondern "Floral Top", wobei es auch möglich war, das Auto mit normalem Vinyldach und Mod Top-Innenausstattung zu bestellen.



Ausgeliefert wurden 1969:
1637 Plymouth Satellite
937 Plymouth Barracuda
48 Dodge Swinger HAT
50 Dodge Swinger 340
25 Dodge Dart Custom
14 Dart GT
16 Dart GTS
8 Dodge Super Bee Coupe
18 Super Bee HAT
und 39 Dodge Coronet 440.

Für 1970 wurden noch hergestellt:
26 Plymouth Barracuda Blau
17 `Cuda Blau
26 Barracuda Gelb
und ca. 15 `Cuda Gelb.




Der hier gezeigte Plymouth Barracuda basierte technisch auf dem kleinen Plymouth Valiant und wurde in drei verschiedenen Varianten angeboten: als Fastback mit riesiger Heckscheibe sowie als Convertible und als Coupe, wobei es die Mod Top-Option nur beim Coupe gab. Als Motoren standen sowohl ein Sechszylinder mit 145 PS als auch verschiedene V8 mit entweder 275 oder 330 PS zur Wahl. Insgesamt wurden 12757 Coupes, 1442 Cabrios und 17788 Fastbacks hergestellt.


Das Modell


Es handelt sich hierbei um ein 1969er Plymouth Barracuda Coupe mit der gelben Mod Top-Option. Die Karosserie war ein Resin-Body unbekannter Herkunft. Das Teil wurde vor vielen Jahren bei Ebay ersteigert, zusammen mit der dazu gehörigen Innenwanne und der Rücksitzbank. Der Rest, wie zum Beispiel das Fahrwerk, der Chrom, der Motor und die Frontscheibe stammen aus dem bekannten Kit des 1969er Fastback-Barracudas von mpc.

Nach der üblichen Reinigungsprozedur mit Waschbenzin mussten für das Vinyldach die unteren Abschlussleisten und die Nähte der Vinylbahnen mit dünnen Evergreen-Plasikstreifen dargestellt werden. Die Karosserie wurde mit einem hellen Gelbton aus dem Multona-Spraydosen-Sortiment lackiert.


Nach ausgiebiger Trocknung der Lackierung ließ sich das Vinyldach mit dem ModTop-Muster aufbringen. Angefangen wurde mit der mittleren Bahn zwischen den aufgeklebten Nähten, wobei das Decal etwas größer als die benötigte Fläche ausgeschnitten und mit viiieeel Decal-Softener von Microscale gefügig gemacht werden
musste. Dies war sehr wichtig, da das Abziehbild gerade an den Scheibenrahmen hochstand und auch auf der Dachfläche durch die Rundung immer wieder Falten entstanden, die nur mit dem Weichmacher weggebügelt werden konnten.


Ebenso wurde bei den beiden Seitenteilen verfahren: Größer ausschneiden als benötigt, auf das Dach auflegen und mit dem erwähnten Weichmacher andrücken. Wichtig: Überstehendes Material an den Scheiben unbedingt vor der Trocknung der Decals mit einem sehr scharfen Bastelmesser vorsichtig wegschneiden. Sind die Abziehbilder erst mal hart, werden sie spröde und es kann passieren, dass Teile vom eigentlichen Dach mit abplatzen.


Das Mod Top-Decal musste – ebenfalls bei Ebay USA - einem Händler abgeschwatzt werden, der zuerst gar nicht nach Deutschland liefern wollte. Mittlerweile hat der Autor aber einen Dealer an der Hand, der sowohl das gezeigte gelbe Decal als auch das blaue herstellt und wohl auch liefert.


Der Innenraum des Modells wurde schwarz-weiß bemalt; auch hier mussten Mod Top-Streifen auf den Sitzen und an den Seitenverkleidungen angebracht werden, wobei der Weichmacher wiederum unschätzbare Dienste leistete. Ansonsten passten die Resin-Teile mit dem mpc-Kit hervorragend zusammen, lediglich die Heckscheibe musste aus dünnem, durchsichtigem Evergreen-Material selbst hergestellt und eingepasst werden.


Auch wenn diese Blumenmuster-Vinyldächer und -Innenausstattungen nicht jedermanns Geschmack treffen, so sind sie doch ein kaum bekanntes und sehr kurioses Stück amerikanischer Automobilgeschichte. Gerade darin ja liegt für den Modellbauer der besondere Reiz: Solche Raritäten selbst zu bauen und in die Vitrine zu stellen, von dem Aufsehen auf Ausstellungen ganz zu schweigen - mal schauen, vielleicht fliegt ja noch das blau-grüne Muster in´s Haus, dann steht einem ´69er Mod Top-Satellite nichts mehr im Wege!


Text, Bilder und Modell: Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

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