1937 Cord 812 Westchester Sedan

1937 Cord Westchester Sedan Supercharged

 

Atemberaubend schön – aber unzuverlässig

 

All American Resin, Maßstab 1:24

Mit diesen Worten lässt sich der Cord wohl am trefflichsten beschreiben. Als der von Gordon M. Buehrig entworfene „Baby-Duesenberg“ Cord 810 im November 1935 erstmals auf der New Yorker Auto Show präsentiert wurde, sollen der Überlieferung nach Besucher auf die Fahrzeuge der anderen Aussteller geklettert sein, nur um einen Blick auf den damals revolutionären Wagen zu erhaschen.


Und in der Tat war der Cord seiner Zeit um Jahre voraus. Aufgrund des Frontantriebs - der erstmalig serienmäßig im Vorgängermodell Cord L-29 von 1929 zum Einbau kam – konnte wegen des daraus resultierenden niedrigeren Einstiegs auf Trittbretter verzichtet werden.

Die spitz zulaufende Front mit einer von vorne zu öffnenden Motorhaube und den bis zur Kabine reichenden Zierleisten des Grills brachten dem Cord wegen der Ähnlichkeit mit einem Sarg den Spitznamen „Coffin Nose“ ein. Der nur spärliche Chromzierrat, die verdeckten Türscharniere und der ebenso verdeckte Tankdeckel, der im Fahrzeug integrierte Kofferraum und natürlich das bekannteste Merkmal, die erstmals verwendeten Klappscheinwerfer in den Kotflügeln, trugen ebenfalls zum stromlinienförmigen Design bei.

In technischer Hinsicht waren die manuell per Handkurbel am Armaturenbrett zu bedienenden bereits erwähnten Klappscheinwerfer, das elektrisch pneumatische Vorschaltgetriebe und der 170 HP leistende Lycoming V8 Motor erwähnenswert, welcher damals für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse zu einer atemberaubenden Geschwindigkeit von über 160 km/h führte.

Wegen der während der gesamten fast zweijährigen Bauzeit anhaltenden Problemen mit dem empfindlichen Getriebe und ständiger Motorüberhitzung und weil Cord die versprochenen Stückzahlen von 1000 pro Monat nicht halten konnte, erreichten die Absatzzahlen nicht die erhofften Werte. Daran konnte auch der 1937 vorgestellte und nur in wenigen Hundert Exemplaren gefertigte Typ 812 mit Kompressor Aufladung nichts ändern und die Produktion wurde nach dem Rückzug des Firmengründers Erret Lobban Cord im August 1937 für immer eingestellt.

Neben dem hier gezeigten Westchester Sedan (benannt nach dem County, das damals der bevorzugte Wohnort der gehobenen New Yorker Mittel- und auserkorenen Käuferschicht des Cord war), produzierte Cord noch den Beverly Sedan mit gehobener Ausstattung, eine Berline-Limousine mit abgetrennten Abteil für die Herrschaften, einen zweisitzigen Roadster genannt Sportsman Convertible Coupe und den durch den Bausatzhersteller Revell-Monogram bekannten viersitzigen Convertible Phaeton Sedan.


Zum Modell:

Letztes Jahr hab ich mich entschlossen, mal wieder einen Resinkit zu bauen. Aber welchen?

Meine Wahl fiel dann auf den seit Jahren im Schrank rumliegenden viertürigen Resin Cord, weil ich glaubte, dass der sich mit benötigten Teilen aus dem ebenfalls vorrätigen Revell Cord relativ leicht bewerkstelligen ließe. Diese Hoffnung wurde aber während des Bauens leider nicht erfüllt.

Allein die Anpassung der Innenwanne an die Karosserie erforderte stundenlanges Feilen und Schleifen. Front- und Heckscheibe müssen selber aus Plastiksheet hergestellt werden und das Armaturenbrett aus dem Revellbausatz muss vor dem Zusammenbau an die Innenseite der Karosserie geklebt werden. Hört sich leicht an – ist es aber nicht, weil man keine Anhaltspunkte hat, an welcher Stelle der dazu auch noch unebenen Stelle unter der Frontscheibe das Teil geklebt werden soll.

Außerdem sind die hinteren Kotflügel vorne zu den Türen hin zu schmal, so dass sich die Räder hinterher nur mühsam und erst nach Kürzung der natürlich bereits zusammengeklebten Achse in den Kotflügeln unterbringen lassen.

Als Folge dessen muss auch das verchromte Steinschlagschutzteil aus dem Revellbausatz dementsprechend an den vorderen Enden der Kotflügel angepasst und mit Bare Metall neu verchromt werden. Auch die Anpassung an den Rahmen und den vorderen Kotflügeln des Revell-Bausatzes erwies sich erst nach mehrmaligen Feilen und Probieren als machbar.

 


Aber all das war nichts gegen die Lackierung! Ich hatte mich nach Begutachtung diverser Internetseiten für ein dunkles Braun entschieden, da das vor Jahren gebaute Convertible weiß lackiert wurde und ich eine Kontrastfarbe dazu haben wollte. Hierzu verwendete ich eine Farbe aus dem MULTONA Sortiment, was ich hinterher aber sehr bereute. Die Farbe war beim Auftragen stellenweise extrem rau; an manchen Stellen aber glatt wie der sprichwörtliche Baby Popo. Beim Schleifen bzw. Polieren nach ausreichender Trocknungsphase kamen daher an manchen Stellen die blanken Stellen des Bausatzes wieder zum Vorschein, während an anderen Stellen trotz gleichmäßigen Schleifens die Farbe immer noch rau war.

Zuerst glaubte ich, es läge am Resin, aber dann hatte ich auf den Plastikteilen das gleiche Problem. Also nochmal lackieren und nochmal schleifen.

Wieder das gleiche besch... Ergebnis! Ich war schon drauf und dran, den Cord in die Wüste zu schicken, hab dann aber mit einer mittlerweile notwendigen zweiten Farbdose den Cord zum dritten Mal lackiert und diesmal „gaaanz vorsichtig“ geschliffen und poliert.

Soviel musste ich noch nie an einem einzigen Bausatz polieren; ich habe fast ein halbes altes T-Shirt dazu gebraucht – ohne Witz!


Abschließend erhielt der Cord noch ein paar Nebelscheinwerfer und Scheibenwischer, sowie eine verchromte Auspuffblende aus der Grabbelkiste. Die schwarzen New York Nummernschilder – passend zum Namen „Westchester“ – wurden vom Revellbausatz übernommen. Das Cord-Markenschild zwischen Stoßstange und Grill entstand aus Plastiksheet und wurde nach Vorlage „stilisiert“ bemalt.

Nun ist er aber trotz allem doch noch recht ansehnlich geworden – na ja, an den meisten Stellen zumindest. Jedenfalls hab ich seitdem keine MULTONA Farbe mehr verwendet – mit den Farben von DUPLICOLOR komm ich besser zurecht, da diese nach der Lackierung eine glattere Oberfläche ergeben und sich die Polier- und Schleifarbeiten nach dem Trocknen dadurch auch in Grenzen halten.

Trotz all der Mühe beim Bau bin ich froh, ein wirklich seltenes und außergewöhnliches Exemplar der Automobilgeschichte in der Vitrine stehen zu haben. Es wird allerdings doch noch etwas Zeit vergehen, bis ich mich an mein nächstes Resinmodell wagen werde.

Gottseidank sind es bei mir ja nicht allzu viele!


Modell und Text: Reinhold Schmidt, Fürth

Bilder: Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

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Kommentare: 2
  • #1

    Gerhard (Freitag, 05 August 2016 14:51)

    Ein sehr informativer Bericht über ein großartiges Automobil, abseits der ausgetretenen Pfade der Revell/Monogram/Lindberg-Modelle in 1:24/25. Wer sich für diesen speziellen Cord eingehender interessiert, wird im Maßstab 1:32 bei Pyro/Lifelike und in 1:12 bei AMT fündig - vom spektakulären Vorgänger gibt es leider keinen Plastikbausatz, nur ein phantastisches Fertigmodell von Danbury Mint im Maßstab 1:16.

  • #2

    Oliver (Dienstag, 09 August 2016 19:31)

    Klasse Modell Reinhold! Vor allem mit dem Hintergrund das hier ein ultraseltenes All American Resin Modell verwendet wurde. Der erste von drei grossen Resin Kleinserien Herstellern der seine Fertigung einstellte. Dann kam R&R und jetzt zum Schluss der grösste Verlust für uns US Automodellbauer: "Modelhaus" ....RIP Die Preise für Modelhaus Kits gehen jetzt schon steil nach oben kurz nach dem Stop für Bestellungen am 5. Juli 2016.