1973 Dodge Charger

1973 Dodge Charger

 

Heartaches by the number

 

MPC – Maßstab 1:25

 

Das kommt davon, wenn man in älteren US Car-Zeitschriften blättert...!

So geschehen vor ca. einem Vierteljahr, als ich mal wieder leichtsinnigerweise in meinen gesammelten Heften stöberte und dabei auf einen Bericht über einen 73er Dodge Charger stieß. Ich war sofort begeistert von dem Auto: Ein 73er Modell mit der seltenen Rallye-Option, in kreischendem Grün und Vinyldach.


Das Auto musste ich haben, wenn auch nur in 1:25! Also den alten MPC-Kit aus den 80ern

ausgegraben, wobei ich mich daran erinnerte, vor langer Zeit schon die Decals für die Rallye-Option gekauft zu haben. Diese beinhalten die große, schwarze Fläche auf der Motorhaube und die Streifen längs der Seiten.


Nach dem Öffnen des Kits stellte ich ernüchtert fest, dass das Modell zwar komplett war – also auch mit vernünftigen Felgen – aber einen entscheidenden Mangel hatte. Es fehlten nämlich an der Karosserie die, für die dritte Charger Generation (1971 – 74) charakteristischen Sicken entlang der Radläufe.


Außerdem hatte ich keine Ahnung, ob es sich bei dem Bausatz um das 73er oder das 74er Modell handelt, da der Kit keine Infos darüber bereithält. Wäre es nämlich ein 74er Baujahr, wäre die ganze Geschichte schon hinfällig gewesen.

Licht ins Dunkel brachte, wie so oft schon, mein Freund Oli, der irgendwo in den Untiefen des Internets eine Seite gefunden hatte, die die Unterschiede erklärten:

Das 73er Modell hatte auf der Motorhaube Lüftungsschlitze, die 74 fehlten. Außerdem hatten die Stößstangenhörner 73 einen Chromsockel, während sie 74 komplett aus Gummi waren.


Hurra! Das Modell war ein 73er, also genau richtig. Und schon konnte es losgehen mit den Problemchen. Zuerst mussten die Sicken an den Radläufen nachgraviert werden. Dazu habe ich die Breite am 71er AMT-Modell nachgemessen und diese dann mit Bleistift auf mein Modell übertragen. Anschließend mit dem Dremel vorsichtig innerhalb der Markierung die grobe Form herausgebildet und danach mit 400er Schleifpapier die Radläufe in die endgültige Form gebracht. Zum Schluss noch mit 1000er Körnung das Ganze geglättet und mit dünnen Evergreen Streifen die Chromleisten entlang der Radläufe und des Schwellers nachgebildet. Was hier so einfach klingt, war für mich der Horror, da die Aktion gelingen musste. Einmal mit dem Dremel abgerutscht oder ungleichmäßige Sicken produziert und das Modell wäre unbrauchbar gewesen.

Hat aber geklappt und auch das Aufkleben der dünnen Plasikstreifen für das Vinyldach machte wenig Kopfzerbrechen.


Fix den Body mit Haube grundiert und der Lackierung stand nichts mehr im Wege. Und da war es, das Problem Nummer zwei. Ich hatte mir extra das Cosmic-Grün vom Golf 3 besorgt, vorher das Vinyldach säuberlich abgeklebt, um dann das Grün aufzutragen. Bis dahin war alles prima, bis der Klarlack ins Spiel kam. Kaum aufgesprüht, waren sämtliche Nähte, Sicken und Kanten, ja sogar abgeschliffene Schriftzüge wieder sicht-, bzw. lesbar!? Außerdem wollte der Klarlack selbst nach mehrstündiger Schleif- und Polierorgie nicht glänzen.

Also alles ins Bremsflüssigkeits-Tauchbad, mit dem Ergebnis, dass es keins gab. Die schwarze Farbe von Dach war zwar ab, aber der Lack selbst zeigte sich völlig ungerührt und ohne die kleinste Reaktion.

Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Lack anzuschleifen und nochmal mit dem Grün drüber zu lackieren. Beim Klarlack habe ich mich aber dann zum ersten mal für ein 2 Komponenten Gebinde entschieden; das Zeug härtet sehr schnell aus und glänzt wie die S...

Das heißt für die Zukunft: Bei Metallic-Lacken immer 2-K-Klarlack verwenden. Ich hätte wohl schon früher auf Oli´s Rat hören sollen...


Nachdem das Vinyldach zum zweiten mal auflackiert war, konnten die Scheiben eingepasst werden.

Wobei das Heckfenster nicht passen wollte, die Scheibe ist am unteren Rand gerade, die Karosserie aber etwas nach Außen gewölbt.

Auch das schwarz bemalte Interieur gab keinen Grund zum Meckern, ebenso die Bodengruppe mit Fahrwerk und Motor.

Nachdem alles zusammengefügt war, konnte es mit den Decals für die Rallye-Option losgehen.

Was losging, war Kummer Nummer drei.

Da ich, auch heute noch, sehr wenig Erfahrung mit Abziehbildern in dieser Größe hatte, habe ich mich mit meiner Unwissenheit natürlich sehr dumm angestellt. Das große Decal auf der Haube muss sich komplett auf die Wölbung legen, also habe ich mein Glück mit „Micro-Sol“, einem Weichmacher für Abziehbilder versucht. Also das Bild auf die Haube gelegt, etwas festgetupft und dann mit dem Weichmacher benetzt, in der Hoffnung, dass sich das Decal an um die Wölbung schmiegt.

Das genaue Gegenteil war der Fall, das Decal bekam Falten und Runzeln und war in meinen Augen zerstört.

Zum Glück hatte ich mir den Bogen zweimal besorgt, also konnte ich einen zweiten Versuch wagen. Jedoch mit dem gleichen Ergebnis.


Im Internet hatte ich aber eine Gebrauchsanleitung über Micro-Sol gelesen, in der der Autor schreibt, man soll nach dem Auftragen des Zeugs die Finger wegnehmen und wirken lassen, egal was passiert. Schlimmer kann´s nicht werden, dachte ich mir und ließ das Auto mit dem schrumpeligen Decal auf der Haube einfach liegen. Nach ein paar Stunden war ich aber dann doch neugierig und habe mal nachgesehen: Die Falten und Runzeln waren einfach weg – das Bildchen hatte sich wunderschön um die Wölbung der Haube gelegt. Ich war sprachlos.

Voller Freude ging es sofort genauso an die seitlichen Streifen, das Ergebnis sieht aus wie auflackiert.


Das waren sie also, die Heartaches, die Probleme. Dadurch habe ich aber selbst nach jahrzehntelanger Bastelerfahrung sehr viel gelernt. Zum einen den unerschrockenen Dremel-Einsatz, sowie Erfahrung mit 2-K-Lacken und den Umgang mit Decals.

Dass der Chrom an den Bumpern sich mit dem blanken Finger abreiben ließ, war da nur noch eine Kleinigkeit.

An dem Spruch „man lernt nie aus“ ist scheinbar doch was dran...

Modell, Bilder und Text: Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

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