1969 Ford Galaxie XL

1969 Ford Galaxie XL

 

Hide-and-seek

 

AMT, Maßstab 1:25

Ich kann mich noch gut an eine Situation in meiner Kindheit erinnern, als ich Ende der 1960er Jahre ein Matchbox-Modell eines Mercury Cougar geschenkt bekam. Ich war vielleicht enttäuscht! Das Ding hatte nämlich keine Scheinwerfer! Was soll ich mit einem Modell ohne Lichter? Logischerweise kam dieses Auto sehr selten zum Einsatz im heimischen Sandkasten. Einige Zeit später hab ich dann in einer Zeitschrift Bilder von anderen US-PKWs gesehen, die auch ohne Scheinwerfer daher kamen! „Was soll das, spinnen die jetzt?“ dachte ich mir, mein Glaube an die US-Auto-Welt war stark erschüttert. Und noch einige Zeit später habe ich dann, Gott sei Dank, einen Bericht entdeckt, in dem mir erzählt und gezeigt wurde, dass die Scheinwerfer ja nur unter den Grillblenden versteckt und jederzeit einsatzbereit waren. Von da an war die Welt wieder in Ordnung und auch das Cougar Modell wurde wieder hervorgekramt und bei den Freunden mit meinem Wissen über die versteckten Scheinwerfer fürchterlich angegeben.


Die Mode mit den sogenannten Hidden Headlights began 1965 als Buick seine Riviera-Modelle mit diesem Styling-Gag auf den Markt brachte. Es hat auch nicht lange gedauert, bis fast alle Hersteller mindestens so ein Modell im Programm hatten. Ja sogar die erzkonservativen Herren bei Cadillac gaben dem Eldorado geschlossene Augen mit auf den Weg.

Diese Mode dauerte so bis ca. 1972, lediglich Lincoln machte so bis in die 1980er weiter.

Auch der hier gezeigte 1969er Ford Galaxie hatte in den gehobenen Versionen einen durchgehenden Grill, unter dem sich, hinter versenkbaren Blenden, die Scheinwerfer versteckten.

Die Full-Size Fords gab es in den Reihen Custom, Galaxie 500, XL und LTD.


Der Bausatz ist eine Wiederauflage des originalen 69er Kits, was man dem Modell leider auch anmerkt, vor allem beim Interieur.

Der Bausatz hat, wie von mir bevorzugt, sehr wenige Teile, die hervorragend zueinander passten.

Also konnte gleich, ohne viel Vorarbeit, die Vorbereitung zum Lackieren erfolgen. Ein weiterer Stylinggag an diesem Auto sind die ultrabreiten C-Säulen, die sich fast bis zu den Rücklichtern ziehen. Dass hier unbedingt ein Vinyldach drauf muss, war logisch.


Hierfür wurde der untere Rand des Daches mit einem dünnen Streifen Evergreen aufgeklebt, alles verschleift und verspachtelt und anschließend komplett mit Tamiya grundiert. Als Farbe habe ich mir ein relativ unscheinbares Elfenbein ausgesucht, das mit einer Multona Sprühdose auflackiert wurde. Nach dessen Trocknung habe ich dann alles vorsichtig abgeklebt, um das Vinyl aufzutragen.

Vor dieser Lackierung mussten aber noch die Dachnähte dargestellt werden. Hier helfe ich mir immer mit zwei sehr schmalen Streifen Bare-Matall-Folie, die ich doppellagig übereinander klebe. Das ergibt genau die Höhe der Nähte, die ich haben möchte – Evergreen Streifen erscheinen mir zu hoch, auch Abschleifen der Streifen wird nie gleichmäßig. Anschießend wird die Vinylstruktur mit Sandeffekt-Spray von Obi mit großem Abstand in mehreren dünnen Schichten auflackiert. Zum Schluss dann über das Ganze noch der entsprechende Farblack, hier Moosgrün seidenmatt, ebenfalls aus dem Baumarkt, in dünnen Schichten aufgetragen und fertig ist ein herrlich realistisches Vinyldach!


Die übliche, anschließende Verchromungsorgie mit Chromfolie kennt man ja. Leider war an meinem Modell die rechte A-Säule zerbrochen, was man trotz Reparatur gerade an den Fensterleisten immer noch etwas sieht.


Das Interieur wurde in einem etwas helleren Grünmetallic lackiert, die Sitzflächen in einem wieder etwas hellerem Seidenmattgrün bemalt. Da der Innenraum sehr einfach gegossen ist und es fast keine Details gibt, musste hier sehr viel improvisiert werden. Der Einsatz des Liquid Chrome- Stiftes von Molotov hat manches ausgebügelt.

Eine kleine Herausforderung war dann noch die Heckblende, die unter den Rücklichtern eine durchgehende, rote Fläche besitzt, die von einem Gitter abgedeckt wird. Hier habe ich mit roter Transparentfarbe jedes kleine Viereck einzeln ausgemalt und das Chromgitter jedesmal mit einem in Verdünnung getauchtem Wattestäbchen, abgewischt. Eine herrliche Arbeit...


Auch der lackierte, waagerechte Streifen im Kühlergrill stellte mich zuerst vor Probleme, da mit der freien Hand aufgemalt, der Streifen sicherlich ungleichmäßig geworden wäre.

Ich habe mir so geholfen, dass ich einen kleinen Bereich Bare-Metall-Folie mit Wagenfarbe lackiert habe, dann einen entsprechend dünnen Streifen ausgeschnitten und auf den Grill geklebt habe.

Hat tadellos funktioniert!

Zum Schluss noch das Fahrwerk mit Motor darunter gesteckt, und fertig war der Ford. Ach ja: Die Weißwandringe auf den Reifen sind selbst aufgemalt. Mit einer Kreisschablone und und einem Uniball Pigment-Ink Stift von Mitsubishi können solche Ringe in jedem Durchmesser aufgemalt werden (dank Markus für den Tipp).


So ist mit wenig Arbeits- und Zeitaufwand ein Modell fertig geworden, welches ich schon längere Zeit vor mir herschiebe.

Und auch Reinhold gibt jetzt auch endlich Ruhe... ;-))


Modell, Text und Bilder: Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

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Kommentare: 3
  • #1

    Gerhard (Samstag, 29 Juli 2017 00:39)

    Hörgeräte-braun mit grünem Vinyldach und grüner Innenausstattung - da muss einer erst mal drauf kommen und sich das dann auch trauen! Robert macht´s und siehe da, es ist absolut stimmig! Dass dieser Bausatz - die x-ste Wiederauflage des ´69er Annuals mit total ausgenudelten Formen - so gar keinen Ärger gemacht hat, kann ich mir aber kaum vorstellen. Raus mit der Sprache, Robert - wirklich alles so easy gelaufen?

  • #2

    Robert (Samstag, 29 Juli 2017 09:30)

    Gerhard, ich muss Dich leider enttäuschen. Der Kit selbst hat keinerlei Probleme bereitet. Einzig die gebrochene A-Säule war ärgerlich, wobei da der Kit an sich nichts dafür kann. Was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitete, war das Aufmalen der Weißwandringe auf die Reifen, da hat es einige Anläufe gebraucht, bis es halbwegs ansehlich war. Ansonsten wirklich alles easy, kaum zu glauben, dass es das doch noch gibt.
    Mein nächstes Modell ist da schon wieder ein anderes Kaliber: Ein Resin Conversion Kit unbekannter Herkunft, der aus dem 66er Barracuda Hemi Under Glass Dragster einen Stock-Barracuda macht. Viel Arbeit...

  • #3

    Reinhold (Montag, 14 August 2017 08:24)

    Danke Robert, dass Du mein Flehen endlich erhört hast! Ich konnte mich neulich gar nicht satt sehen an dem Kübel... einfach genial!!!!