1960 Chrysler New Yorker & DeSoto Adventurer

1960 Chrysler New Yorker & DeSoto Adventurer

 

Fin Twins

 

Jo-Han, Maßstab 1:25

FIN TWINS

 

Sie sehen aus wie Zwillinge, offenbaren bei näherem Hinsehen aber doch eine Menge Unterschiede: Der Chrysler New Yorker und der DeSoto Adventurer von 1960, beide als zweitürige Hardtop Coupes von Jo-Han im Maßstab 1:25.

Bis zum Ende DeSotos im Jahr 1961 bestand der Chrysler-Konzern aus den EinzelDivisionen Plymouth, Dodge, DeSoto, Chrysler und Imperial. Plymouth und Dodge bedienten das untere und mittlere Preissegment, wobei die Topmodelle beider Marken schon im Revier der höher angesiedelten DeSoto- und Chrysler-Labels wilderten. Die absolute Spitze bildete schließlich Imperial als Luxusmarke, trotz mangelnder Stückzahlen und entsprechender Unrentabilität das imageträchtige Aushängeschild des Konzerns.

Schon seit den ´40er Jahren teilten sich DeSoto und Chrysler die gleiche Plattform, in den ´50ern bis zum Ableben DeSotos 1961 auch die Karosserien, die sich nur in kleinen Details unterschieden. Virgil Exners großer Paukenschlag, die „Second Wave“ seines „Forward Stylings“ für das Modelljahr 1957 bescherte beiden Marken große Fensterflächen, niedrige Gürtellinien und riesige Heckflossen, ein Design, das entgegen des ansonsten üblichen jährlichen Modellwechsels mit geringen Änderungen drei Jahre Bestand hatte.

Für 1960 spielte sich die größte Änderung bei Chrysler und DeSoto (wie auch bei Plymouth und Dodge, die einzige Ausnahme war Imperial) unter dem Blech ab: Der Übergang von der Rahmenbauweise auf selbstragende Karosserien machte die Autos leichter und doch verwindungssteifer. Auch die zu jener Zeit sehr beliebten „Economy Runs“, eine frühe Form von Verbrauchstests, gewannen die nun deutlich leichter gewordenen Chrysler-Automobile regelmäßig, ganz zu schweigen von der dadurch nochmals verbesserten Handlichkeit, die schon seit der Einführung der TorsionsstabFederung von allen amerikanischen Autotestern als hervorragend beurteilt wurde.


Im Gegensatz zu den teilweise sehr gewöhnungsbedürftigen Exner-Kreationen des Modelljahrs 1960 bei Dodge und Plymouth behielten DeSoto und Chrysler die schlichten, eleganten Linien der Jahre 1957 bis ´59 bei. Der bis dato den Chrysler 300 Letter Cars (Chryslers in geringer Stückzahl gefertigtes Hochleistungsmodell mit bis zu 415 PS) vorbehaltene „Trapezoid Grille“ zierte 1960 alle Modellreihen vom Windsor über den Saratoga bis hin zum New Yorker (siehe Abbildung). Eine Abwandlung dieses Grills, hier bis unter die Scheinwerfer gezogen, fand sich auch an den DeSotos, von denen es nur mehr zwei Modellreihen gab: Den Fireflite und den Adventurer, beide lediglich als zweitüriges Hardtop Coupe und viertürigen Sedan/Hardtop Sedan lieferbar.


Rekordverdächtig fielen auch die Heckflossen des ´60er DeSoto und des Chrysler New Yorker aus. Während bei GM bereits das „Downsizing“ der Flossen begann, schwangen sich die Chrsler/DeSoto-Leitwerke zu neuen Höhen und einer bis dahin noch nicht dagewesenen Länge auf. Lag der Heckflossenansatz 1957/59 bei den zweitürigen Hardtops noch am hinteren Kotflügel am Ende der Türen, begannen sie 1960 bereits auf der Höhe des vorderen Ausstellfensters und spannten sich damit über weit mehr als die Hälfte der gesamten Karosserielänge – so gesehen wohl die längsten Heckflossen aller Zeiten!

Traditionsgemäß verfügte der ´60er DeSoto über etwas mehr Zuckerguss als der trotzdem höher angesiedelte Chrysler New Yorker. Abgesehen vom noch massiver wirkenden Kühlergrill verlief beim DeSoto eine breite Edelstahl-Zierleiste über die gesamte Flanke des Fahrzeugs und auch die Rücklichter wurden mit zusätzlichen Zierleisten versehen. Das bei Chrysler 1960 mit großem Werbe-Getöse eingeführte „Astra Dome“-Armaturenbrett wurde dem DeSoto allerdings vorenthalten, obwohl dessen Kommandostand nicht weniger „spacig“ ausfiel als der Astra Dome.


Während Chrysler 1960 von den Modellreihen Windsor, Saratoga, New Yorker und 300 fast 75.000 Fahrzeuge verkaufte (davon allein 2.835 New Yorker 2 Door Hardtop Coupes zum Preise von je 4461 Dollar), sackten die Verkaufszahlen der beiden DeSoto-Baureihen Fireflite und Adventurer auf 25.500 Autos ab (davon 3,092 Adventurer 2 Door Hardtops zum Preise von ja 3.663 Dollar). Das schon länger besiegelte Ende von DeSoto rückte damit in greifbare Nähe, obwohl es eigentlich einer verfehlten Modellpolitik von Seiten des Chrysler-Managements zuzuschreiben war. Mit der Einführung des Dodge-Topmodells „Polara“ im Jahr 1960 wurde DeSoto sozusagen von unten bedrängt, während das 1961 erschienene Chrysler-Einstiegsmodell „Newport“ von oben Druck ausübte. Für DeSoto blieb in dieser Konstellation schlicht kein Platz mehr und so wurde die Produktion dieser traditionsreichen Marke am 24. Dezember 1960 eingestellt. 

DIE BAUSÄTZE

 

Sowohl der Chrysler New Yorker als zweitüriges Hardtop als auch der DeSoto Adventurer in der gleiche Karosserieform erschienen wie damals üblich als Promotionals und „Customizing Car Kits“ von Jo-Han im Maßstab 1:25. Die Annual-Bausätze beider Fahrzeuge verfügten über eine gelb/rote Einheits-Schachtel, deren Deckelbild ein Phantasieauto in Stock-, Custom- und Rennversion zierte. Die den Bausätzen beigefügten Customteile und die Decals für die Rennversion waren auf den Seitenteilen der Schachtel abgebildet, während der Name des Modells nur in einem weißen Feld auf den Stirnseiten der Verpackung vermerkt wurde.


Im Prinzip waren diese Bausätze nichts anderes als unmontierte Promo-Modelle, aufgepeppt mit zeitgenössischen Customteilen wie Fender Skirts, Continental Kits, Louvres, Baby Moons, Lake Pipes und natürlich zusätzlichen Heckflossen. Es gab noch keine Motornachbildung, lediglich eine äußerst archaisch modellierte Motor-Unterseite auf der schlichten Bodenplatte, die ihrerseits noch nicht einmal über geschlossene Radhäuser verfügte, so dass man von einer Seite zur anderen durchschauen konnte. Für die Montage dieser sehr einfach gehaltenen Modelle genügte eine Einheits-Bauanleitung mit fünf Baustufen, während eine sechste die optionale Positionierung der Customteile und der Decals erläuterte. 


Während der Annual-Bausatz des 1960er Chrysler New Yorker nie wieder aufgelegt wurde – und daher ein entsprechend seltenes und teures Stück darstellt -, war dem DeSoto Adventurer ein zweites, recht erfolgreiches Leben beschieden. Zu Beginn der ´70er Jahre beschloss man bei Jo-Han, noch einmal kräftig durchzustarten und aus den vorhandenen Formen der Annual-Kits aus den ´60er Jahren kräftig Kapital zu schlagen. Um gegenüber der recht rührigen Konkurrenz von AMT, MPC und Revell nicht völlig in´s Hintertreffen zu geraten, wurden die Bausätze der Jahre 1960/61 dahingehend überarbeitet, dass sie im Gegensatz zu den Annuals eine Motornachbildung und eine Bodenplatte mit Radhäusern aufweisen konnten. Das Ganze lief unter dem Label „USA Oldies“ und dürfte bis zum endgültigen Aus von Jo-Han/XEL in den frühen´90er Jahren ordentlich Geld in die Kassen gespült haben. Jeder US Car-Fan musste jeden dieser Bausätze schließlich mindestens drei-oder viermal haben: einmal zum Bauen, einmal für Umbauten wie Cabrios etc., einmal zum Liegenlassen und einen in Reserve – man weiß ja nie! Abgesehen von den mittlerweile ohnehin exorbitanten Annual-Preisen schicken sich auch die Wiederauflagen der US Oldies besonders im Falle des ´60er DeSoto an, bei sehr gutem, unberührtem Zustand die 100.- Euro Marke zu durchbrechen. 


DIE MODELLE

 

Für den Bau des ´60er Chrysler New Yorker 2 Door Hardtop Coupes wurde aus den oben bereits erwähnten Gründen kein Annual-Bausatz geopfert, sondern mit Hilfe von eBay/USA ein „Builder“ besorgt. Wie viele der bereits einmal gebauten Modelle war auch dieses mit Fender Skirts, Lake Pipes und Suchscheinwerfern „veredelt“, was eine teilweise mit Kleberresten und zusätzlichen Löchern schwer verunstaltete Karosserie zur Folge hatte. Das alles musste vor der ersten Lackierung mehrfach sorgsam verspachtelt und verschliffen werden - eine Aktion, bei der selbst der Geduldigste immer wieder in Versuchung geriet, vielleicht doch den teuren Annual zu schlachten…


Nach Überwindung all dieser Hürden erfolgte die erste Lackierung, die wider Erwarten auf Anhieb gelang. Doch dann schlug das Schicksal mit voller Härte zu: Aufgrund eines blöden Missgeschicks fiel die Karosserie aus ca. einem Meter Höhe auf den Fliesenboden, wobei die Spitzen beider Heckflossen abbrachen. Eine der beiden Spitzen konnte wieder aufgefunden und implantiert werden, die zweite blieb bis heute verschollen. Nur der unkomplizierten und bereitwilligen Hilfe des anerkannten Plastik-Chirurgen Günther Eberhardt ist es zu verdanken, dass a) der ganze Mist nicht durch das geschlossene Fenster flog und b) die fehlende Flossenspitze wieder ergänzt und das Malheur damit ungeschehen gemacht werden konnte. 


Der ´60er DeSoto entstand bereits in den ´90er Jahren aus einem Bausatz der USA OldiesWiederauflage. Auch hier hatte Günther Eberhardt seine Hände maßgeblich im Spiel, denn von ihm stammt die Lackierung des Modells. Zur Erläuterung der Hintergründe: Viele Jahre lang fand regelmäßig am 27. Dezember eine „Annual Session“ von drei befreundeten Modellbauern statt, bei der jedes Mal ein anderes Modell – bevorzugt von Jo-Han – Thema war. Natürlich war das Modell so weit vorzubereiten, dass es in dieser Nacht – die Annual Sessions dauerten von ca. 7 Uhr abends bis 9 oder 10 Uhr morgens am nächsten Tag, unterbrochen nur durch Crash-Videos zu Entspannung – fertig gebaut werden konnte. 


So entstanden also an einem 27/28. Dezember in den frühen ´90er Jahren bei klirrender Kälte (wie immer, dürfte auch bei dieser Session die Heizung ausgefallen sein) drei ´60er DeSotos, zwei davon in den gleichen Farben. Damit begründet sich auch die ungewöhnliche Wahl der Felgen auf dem abgebildeten Modell, denn irgendwie musste es - 3 - sich ja von seinem Zwillingsbruder unterscheiden! Und wie so oft, sind es auch hier nicht nur die Modelle, die besonders wertvoll sind, sondern vor allem die Geschichten dahinter, die sich damit verbinden. Der Modellbau erschöpft sich eben nicht nur im Lackieren und Zusammenkleben von Plastikteilen, sondern lebt vor allem durch die vielen Freundschaften und engen Beziehungen, die dadurch zustande kommen! 


Modelle, Text und Bilder: Gerhard Hoffmann, Bachmehring

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