California Showcars

California Showcars

 

The show must go on

 

Doyusha Kunststoffkits, Maßstab 1:25

Gonna tell you a story

‘bout a woman I know.

Boy it comes to loving

     when I refused the school …“ 

 

Falscher Text … das kommt davon, wenn man sich neben Text für Chrome and Fins aus den Fingern zu saugen, Rock and Roll von AC-DC anhört.

Dabei geht es sogar um Rock and Roll – allerdings aus Plastik. Es geht um fünf, nein sechs – wieder falsch – sondern genau genommen um 7 Show Cars, die ich auf dieser Seite dem Vergessen entreißen möchte.

Gebaut wurden sie von Bill Reisner, einem genialen Hot Rod-Builder aus Californien und gehören jetzt vermutlich zur Jay Ohrberg Collection.

Zuerst erschienen alle 6 bei der Fa. Eldon, das muss irgendwann in der 2. Hälfte der 60er Jahre gewesen sein. Die Nr. 7 ist ein Sonderfall und existiert genau ein Mal. Es war mir ein besonderes Bedürfnis, das Piano Car zu bauen. Als sich mir die einzige Chance eröffnete, habe ich zugegriffen.

Anfang der 80er bot die Fa. Doyusha 5 Stück unter dem Label „American Show Cars“ an. Der sechste „The Sand Draggin“, ein langer Dragster mit Sand-Master-Reifen war leider nicht mehr dabei.

Ca. 20 Jahre später brachte Doyusha die Serie erneut. Diesmal mit etwas abgewandelten Deckelbildern und englischem Text unter dem Titel „California Show Car“.

Für die erste Serie von Doyusha wären Japanischkenntnisse von Vorteil, da sämtlicher Text auf den Schachteln in Japanisch gehalten ist. 

THE BATH TUB


das schnellste Badezimmer ever: Ein Dreisitzer, genau genommen jedoch ein Einsitzer mit zwei Liegeplätzen in zwei teilgepolsterten Badewannen. Der Fahrer thront auf einer gepolsterten ‚keramischen‘ Sitzgelegenheit und bremst und gibt Gummi mittels stilechten Toilettenpapierrollen. Alle Teile, die normal verchromt wären, sind vergoldet – beim Bausatz sowie beim Vorbild.


 

Nur als Randbemerkung: Auch Monogram hatte sich des Themas angenommen und unter der Nr. PC223 1969 George Barris „Bathtub-Buggy Saturday Nightmare Show Rod” verkauft. “From the front to the rear – a Plumber’s Nightmare”. 


 

THE OUTHOUSE


Um beim Thema zu bleiben: Auch der wieder eine sanitäre Angelegenheit, aber noch eine Spur rustikaler, nämlich ein rasendes Plumsklo aus Holz mit Schindeldach – aufgewertet durch Kristallkandelaber als Lampen und für den ‚kleinen Schluck‘ zwischendurch mit am Heck angebauter Schnapsdestille.

Dieser Bill Reisner muss damals ziemlich gut drauf gewesen sein beim Konfektionieren seiner Show Cars. Als Umrandung der Windschutzscheiben dient ein barocker Bilderrahmen. Zum ‚Land gewinnen‘, wenn es streng riecht oder der Sheriff wissen will, was in der Destille brodelt, wurde ein 289er Ford Cobra-Motor eingebaut. Der T-Modell Kühlergrill ist wieder vergoldet.


 

THE MILK TRUCK


Ein Lieferwagen mit T-Cab Dach. Die meisten Trucks auf T-Model-Basis haben C-Cabs, aber dieser nicht. 


 

Von MPC gibt’s ein Trike, das heißt sinnigerweise MILK TRIKE und das hat dieselbe Karosserieform und Lackierung. Das war beim 2. Aufguss der Trike-Serie, beim ersten war’s orange und hieß schlicht T-Trike, aber immerhin verwandt.


 

THE INVADER


Amerikas ‚most beautiful Roadster‘.

Zwei Pontiac-Motoren treiben eine Hinterachse mit zwei Quick-Change-Differentialen an. Die Lackierung war eine echte Herausforderung. Da sie gepinselt werden musste vielleicht nicht so perfekt wie man’s hier gewohnt ist, aber besser hab‘ ich’s halt nicht hingebracht.

Auch er wieder mit vergoldeten und verchromten Teilen.


 

THE PINK PANTHER


Auf einem Oldsmobile-Tornado-Fahrgestell mit Frontantrieb befindet sich eine Höhle in Pink mit allem, was man zum Wohlfühlen so braucht: Fernseher, Stereoanlage, Telefon, Kristallkaraffen und sogar eine stilvolle Leselampe. Auch ein pinkfarbener Teppich war im Bausatz enthalten. Sogar die Reifenringe sind pink.

Paulchen fühlt sich sehr wohl da drin.


 

THE SAND DRAGGIN (von Eldon) 

Leider konnte ich weder ein Bild noch den Kit auftreiben. Ich weiß nur aus einer dunklen Erinnerung, dass es ein gelber langer Dragster war mit Mud Tires.

Wer über bessere Infos verfügt oder vielleicht sogar den Bausatz loswerden will kann sich vertrauensvoll an mich oder den Provider dieser staatstragenden Webseite wenden. 

 

THE PIANO CAR


Als ich neulich Ende der 80er die ‚Greger Racing Show‘ in der Olympiahalle in München besuchte, drehte sich auf einer pinkfarbenen Drehscheibe: Das schnellste Piano der Welt! Auf der beiliegenden Tafel stand, dass dieses motorisierte Piano auf Bestellung von Liberace angefertigt wurde. Leider konnte er darauf nicht mehr spielen, da er seinen weißen Pelzmantel und seine Ringe an jedem Finger noch vor der Fertigstellung des Fahr-/Spielzeugs für immer abgelegt hatte.

R.I.P. Liberace. 


Ein Besuch beim örtlichen Supermarkt förderte Erstaunliches zu Tage – nie vorher und auch nachher nie wieder gesehen: In der Spielzeugecke gab es einen verblisterten Streifen Kartonage und in dem war ein Piano (sofort gesehen: das ist 1:25!) und verschiedene Möbelstücke. Die Möbel wurden zur Freude meiner Tochter bei ihr entsorgt, das Piano kann der geneigte Betrachter auf dem Fahrgestell des „Outhouse“ ansehen. 


Der Grill wurde einem AMT 27er T-Model entnommen. Das Quick-change Rearend spendete der sowieso schon schwer angeschlagene Invader. Alles in allem also ein fast kompletter Doyusha. Natürlich ist auch ein bisschen Freestyle dabei. Zum Glück für mich brachte Doyusha genau zum richtigen Zeitpunkt die Serie zum 2. Mal, sonst wäre so manches schwieriger geworden. Aber letzten Endes unabdingbar war der Fund des Pianos.

Das Schicksal wollte also, dass dieses Juwel in 1:25 betrachtet werden kann. 

Modelle, Text und Bilder: Günther Eberhardt, München

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Kommentare: 6
  • #1

    Gerhard (Montag, 05 Februar 2018 15:06)

    The Show(car) must go on - wieder ein paar Juwelen aus Günthers wahrhaft unerschöpflichem Fundus! Dieses Eldon-Showcar (The Sand Draggin) geistert nun schon Jahrzehnte lang als Sammlers Alptraum durch unsere schlaflosen Nächte, aber keiner hat es je gesehen oder gar besessen! Besessen im anderen Sinne dieses Wortes muss man allerdings schon sein, wenn man mit derart viel Fanatismus über Jahrzehnte hinweg eine so fantastische Sammlung alten Plastiks zusammen trägt - keep the fire burning, Günther!!!

  • #2

    rainer (Montag, 05 Februar 2018 18:39)

    Ich bin geplättet.
    Obwohl ich nicht unbedingt der CUSTOM-Fraktion angehöre (bin eingefleischter STOCKER) begeistert mich Günthers Enthusiasmus mit dem er auch diese Seite unseres Hobbys pflegt. Geradezu "besessen", wie Gerhard treffend bemerkt.
    Lieber Günther, wir können hoffentlich noch viele Beispiele Deines besessenen Schaffens erwarten. Ich grüße Dich, mit dem Hut in der Hand.

  • #3

    Christian (Dienstag, 31 Juli 2018 01:44)

    Die Bob Reisner show cars wurden von Eldon 1969 im Auftrag des Popular Hot Rodding Magazins gefertigt. Das ist auch der originalen Box Art zu entnehmen. Der Sand Draggin ist der einzige der fünf Kits, der von Doyusha nicht produziert wurde.

  • #4

    Christian (Dienstag, 31 Juli 2018 14:53)

    Freudscher Verschreiber - Der Sand Draggin ist der einzige der sechs Kits, der von Doyusha nicht produziert wurde.

  • #5

    ChV (Freitag, 15 Februar 2019 15:40)

    Dafür war/ist Reisners Invader voll fahrfähig und straßentauglich (wie ein Hot Rod halt), sagte das Rod & Custom Magazine in den 1990ern.
    Tolles Gerät.
    Durfte auf der 1972er Jochen Rindt Show in Wien ein paar der echten Amerikanischen Show-Rods live erleben, wenn auch im Stillstand und nicht den Invader. Aber ich erinnere mich an ein Planwagen-Show-Rod mit Kanadischem Maple Leaf.
    Sogar die Autoshows waren damals schon irgendwie cooler. Da standen echte Rennwagen und nicht, wie oft heute, 1:1 Modelle, die innen und unten rum weniger detailliert sind, als wir es 1:25 und kleiner akzeptieren. Wir sind später unter den Staubsauger-Brabham zum Entsetzen aller druntergekrochen, um alles zu sehen.
    Herzliche Grüße, Christian

  • #6

    Günther (Dienstag, 26 Februar 2019 10:22)

    Hallo Christian
    Den Planwagen gab es von AMT `Lil Stooge westward ho-ho `. Wurde vor ein paar Jahren sogar wieder aufgelegt.Mit übergrossem Monokel als Windschutzscheibe und verchromten Indianer Pfeilen die noch vom letzten Überfall in der Plane stecken!
    Du scheinst mir ein ziemlich seelenverwandter Showcar und verrücktes Zeug Fan zu Sein.Da bist Du bei mir genau richtig ,denn von dieser seltenen Spetzies gibt es leider nicht allzuviele
    Schöne Grüße ,
    Günther