1962 Oldsmobile F-85 Cutlass

1962 Oldsmobile F-85 Cutlass

 

DA CAPO, F-85!

 

Jo-Han/XEL, Maßstab 1:25 

Schon einmal stand Oldsmobiles „Compact Car“, der F-85, im Focus einer C&F-Story: der „Resto-Station“, ein ´61er Station Wagon, ebenfalls von Jo-Han.

Nicht minder reizvoll fällt der Jahrgang 1962 aus, in dem es zusätzlich das Cabriolet mit der Bezeichnung „Cutlass“ gab – und natürlich den entsprechenden 1:25er Kit von Jo-Han!

 

1962: F-85, F-85 Deluxe und Cutlass

Der Oldsmobile F-85 war seit seiner Einführung zum Modelljahr 1961 ein echter Verkaufsschlager geworden. So sahen sich die Verantwortlichen gezwungen, die Modellpalette zu erweitern, um alle Kundenwünsche erfüllen zu können. Als Einstiegsversion diente 1962 der F-85, den es als viertürigen Sedan, Club Coupe sowie 6- oder 8-sitzigen Station Wagon zu Preisen ab 2.457.- Dollar gab.

Darüber war der F-85 Deluxe angesiedelt, dessen etwas besser ausgestatteter 4-Door Sedan schon mit 2.592.- Dollar zu Buche schlug. Als Kombi wurde nur mehr ein 6-Sitzer angeboten, während die Coupes und die nunmehr ebenfalls erhältlichen Cabriolets die Bezeichnung „Cutlass“ trugen. Die Spitze des F-85-Programms bildete das erlesen ausgestattete und top motorisierte „Jetfire Sport Coupe“, mit 3049.- Dollar Einstandspreis bereits so teuer wie ein günstiges Full Size-Car

1962 verließen 32.461 Cutlass Sport Coupes und 9.893 Convertibles die Werkshallen von Oldsmobile – ein voller Erfolg für die Verantwortlichen, die sich allerdings anfänglich mit dem neuen Modell ein bisschen schwer taten. So gab es das erste Problem schon bei der Namensgebung: Geplant war ein klangvoller Name wie „Starfire“, der aber schon bei den Full Size-Coupes Verwendung gefunden hatte. Auch die Bezeichnung „Rockette“ wurde verworfen, um nicht mit den damals äußerst populären Radio City Music Hall Dancers zu kollidieren. Die in der größten Not gewählte, sehr nüchterne Bezeichnung „F-85“ lehnte sich schließlich an ein Oldsmobile Show Car an, das in den ´50er Jahren Furore gemacht hatte und „F-88“ hieß. Weil aber die Kennziffer „88“ schon bei den großen Modellen als „Dynamic 88“ und „Super 88“ belegt war, blieb nichts anderes übrig, als auch die Zahl nach unten zu korrigieren – F-85!

Im Gegensatz zu den ersten Compact Cars des Jahrgangs 1960 erschien die „Second Wave“ ab 1961 standardmäßig bereits mit V8-Motor, im Falle des F-85 Cutlass mit einer 185 PS starken Version des legendären, 3500 ccm großen Buick V8. Eine moderat aufgeladene Version dieses Motors leistete im „Jetfire“ sogar 215 PS – das große PS-Rennen hatte begonnen und gegen Ende der Dekade konnten die ursprünglich als Sparmobile konzipierten Compact Cars vor Kraft kaum mehr laufen. 

 

Die F-85-Bausätze von Jo-Han

Jo-Han, seit 1959 Modellauto-Partner von Oldsmobile, hatte schon 1961 den bereits oben erwähnten F-85 Station Wagon im Programm.

Für 1962 wurde umgestellt und neben den Full Size Cars Super 88 sowie Starfire der F-85 Cutlass 2-Door Sedan und das Cutlass Convertible in das Sortiment aufgenommen. Mittlerweile war auch bei Jo-Han die Motornachbildung gängiger Standard und dem allgemeinen Trend folgend erschienen die Bausätze als „Build 3 Ways“-Kits.

 

Die ´62er Annuals erschienen in einer sehr dekorativen Einheits-Schachtel, auf deren Deckelbild zunächst ein Phantasie-Cabriolet und daneben in einem weißen Oval das Bausatzmodell abgebildet waren. 


 

Eine Längsseite zeigte das Auto des Deckelbildes als Renn-Version und listete daneben alle erhältlichen Cabrio- und Hardtop-Kits auf


 

 Die gegenüber liegende Längsseite gab einen Überblick über das „Typical Assortment of Accessories“, also die meisten Customteile, die Decals und die Motornachbildung. 


Die beiden Stirnseiten der Schachtel wiederholten das Thema des Deckelbildes, wobei hier auch die Rennversion erschien.

Die Bausatzteile waren unter anderem in einem gut zu lackierenden, hellen Gelb gespritzt und in Bezug auf die Gravuren und die Qualität der Formen hervorragend ausgeführt. Der lange Zeit übliche Einheits-Bauplan hatte ausgedient und wich einem für das jeweilige Modell sehr ausführlich gestalteten Plan, der auf der letzten Seite auch explizite Customizing-Tipps gab.

Dem Zeitgeschmack folgend ließ sich der kleine F-85 mit Continental Kit, Fender Skirts, Heckflösschen, Louvres, Side Pipes, Air Scoops, Zusatz-Antennen und einem Tonneau Cover aufwerten – das volle Programm, zu sehen auf dem bereits erwähnten Seitenteil.

Das F-85 Cutlass Convertible wurde nie mehr aufgelegt und ist daher heute nur mehr als sündteures Annual zu haben.

Den Cutlass 2-Door Sedan gab es in den ´70er und ´80er Jahren noch einmal in der „USA Oldies“ Serie, allerdings in einer brutal abgespeckten Version ohne die wunderschönen Customteile des Originals. So füllten knapp 40 Teile die Schachtel nur zur Hälfte und die im Vergleich zu anderen USA Oldies recht unspektakuläre Form und Größe des Modells drängten den F-85 völlig zu Unrecht in die Rolle eines unbeachteten Mauerblümchens. 


Heute sind auch diese Bausätze schon wieder Raritäten und werden unter Kennern entsprechend gehandelt. Nachdem die Preisspirale mittlerweile auch für die einst unterbewerteten USA Oldies (die lange Zeit zu lächerlichen Preisen verramscht wurden) nur mehr eine Richtung, nämlich nach oben, kennt, rücken zunehmend die „Builder“, also bereits einmal gebaute und wieder zerlegte Modelle, in den Focus.

Zwar sind die Ergebnisse, die mit solchen Wracks erzielt werden können, oft nicht so perfekt wie gewünscht, aber diese Seite zeigt viele Modelle, die aus einem Annual aus Kostengründen nie entstanden wären.

 

Die gebauten Modelle des Oldsmobile F-85 von Jo-Han

Die Grundform des Oldsmobile F-85, die er sich mit seinen Konzernbrüdern Buick Special und Pontiac Tempest teilt, ist typisches GM-Styling der frühen ´60er Jahre: Die großzügig verchromte und liebevoll gestaltete Front lässt sich noch in den ´50er Jahren verorten, während das sanft gerundete Heck mit den vier kleinen Rücklichtern und der schmalen Stoßstange eher wirkt, als wäre den Designern an dieser Stelle nichts mehr eingefallen.


Sehr prägnant fällt dagegen die Seitenansicht aus, die von drei markanten Karosseriesicken geprägt wird, deren unterste vom oberen Rand des vorderen Radlaufs schräg nach hinten verläuft, um hier dem hinteren Radlauf die Form zu geben – ein Design-Element, das sich schon an den Full Size-Oldsmobiles von 1960 fand und Jahre später von Ford beim ersten Capri wieder aufgenommen wurde.


Alle vier hier gezeigten Modelle entstanden aus der USA Oldies-Wiederauflage von Jo-Han.

Zwischen dem Bau des rot/weißen und dem des türkis/weißen Oldsmobile F-85 liegen allerdings fast 40 Jahre, deren modellbautechnischer Fortschritt sich im Detail recht gut erkennen lässt.

 

 So wurde der rot/weiße F-85 zu Beginn der ´70er Jahre noch mit dem Pinsel lackiert, wobei die seinerzeit konkurrenzlosen Humbrol-Farben Verwendung fanden. 


 

Der heutzutage selbstverständliche Einsatz von Bare Metal Foil lag damals noch in weiter Ferne, so dass alle Zierleisten und die Fensterrahmen mit Silberfarbe (Humbrol 11) und einem super feinen Pinsel gestaltet werden mussten.  


Bei dem türkis/weißen Modell, das irgendwann in den 2000er Jahren entstand, hatten sich die einschlägigen Modellbau-Techniken bereits einen Riesenschritt weiter entwickelt. Der türkise Grundlack kam ebenso wie die weiße Farbe des Daches aus der Sprühdose, hochglänzend versiegelt mit Klarlack. Alle Chrom- und Edelstahlteile ließen sich naturgetreu mit Bare Metal Foil nachbilden, während die Technik des Einschwärzens mit Tamiya Smoke, an das in den ´70er Jahren überhaupt nicht zu denken war, dem Kühlergrill und den Radkappen die erwünschte Plastizität verlieh. Weitere Details wie die schmalen roten Felgenränder, die mehrfarbig abgesetzte Innenausstattung und ein detailliert bemalter Unterboden tragen erheblich zum stimmigen Erscheinungsbild dieses Modells bei. 


Während die beiden beschriebenen F-85-Modelle „Out of the Box“ gebaut wurden, entstand das dunkelgrau-metallicfarbene Pärchen aus zwei so genannten „Buildern“, die aus einer Sammlungsauflösung stammten.


 Die Idee dabei war, mit der modernen Farbgebung und dem leichten Customizing im heutigen Stil einen bewussten Gegensatz zu den beiden StockModellen des Oldsmobile F-85 zu schaffen. Die verwendeten breiten Reifen und Felgen fanden sich in der bestens sortierten Ersatzteilkiste, ebenso die Abdeckung des geöffneten Verdecks beim Cabrio und die Suchscheinwerfer am Coupe.


Und wenn solche Modelle auch den Vertretern der reinen (Stock-) Lehre das Wasser in die Augen treiben, so haben sie doch – gerade im Verbund mit den serienmäßig gebauten Repliken – ihren ganz besonderen Reiz!

 

Das XEL-Promo des Oldsmobile F-85 Cutlass Coupes 


Eine der letzten „Neuheiten“ der Jo-Han-Tochter XEL im Jahr 1991, also kurz vor der Einstellung der Produktion, war das 1962er Oldsmobile F-85 2-Door Hardtop, das in vier Farben erschien. Abgebildet ist hier das weiße Modell mit der blauen Innenausstattung, eine weitere Version war blau mit weißem Interieur und das gleiche Wechselspiel gab es noch in Gold mit Hellgrau.

Natürlich hätten sich die Fans wie beim 1963er Oldsmobile Starfire auch das dazu gehörige Cabriolet gewünscht, das aber leider wohl nie vorgesehen war. Das schnelle Ende von XEL stoppte auch ander Neuheiten-Projekte wie den 1960er Cadillac Fleetwood 60 Special und das ´70er Oldsmobile 4-4-2 2-Door Hardtop Coupe.

Immerhin wurden bei XEL in der Zeit zwischen dem Ende der ´70er und dem Beginn der ´90er Jahre ca. 40 Modelle in je vier verschiedenen Farben aus den alten Werkzeugen wieder zum Leben erweckt – wahre Schätze für den US Car-Sammler und Modellbauer, von denen man nie genug bekommen kann! 

Text und Bilder: Gerhard Hoffmann, Bachmehring

 

Gebaute Modelle: F-85 rot/weiß - G. Hoffmann, Bachmehring

F-85 türkis/weiß - Christian Pamp, Stockport, England

F-85 grau-metallic, Coupe und Cabrio - Florian Neumann, Kiefersfelden

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Kommentare: 2
  • #1

    Reinhold (Donnerstag, 13 Dezember 2018 07:43)

    Da sieht man es mal wieder: Es muss nicht immer das "Dickschiff" sein - auch die Kleinen aus der Zeit können durchaus "Große" sein. Und mit dem rot/weißen Olds hast Du mal wieder bewiesen, dass man selbst mit einer einfachen (?) Pinsellackierung ein tolles Ergebnis erzielen kann. Aber das kann nicht Jeder - darin bist Du der Meister! Ich finde, auch die vor langer Zeit gebauten Schätzchen strahlen auch heutzutage durchaus noch ein gewisses Flair aus und zeigen, dass man auch früher schon Modelle gebaut hat, auf die man heute noch mit Recht stolz sein kann!

  • #2

    Oliver Löbert (Freitag, 14 Dezember 2018 15:21)

    Wumm... und wieder ein Donnerschlag vom Plastikgott Gerhard Hoffmann!
    Unglaublich, welches Auto- und Modellwissen Gerhard mit sich herumträgt und bei jedem neuen Bericht vor uns ausrollt. Ich bin jedes mal völlig fasziniert von den ganzen Detailinformationen die man dabei über die entsprechenden Modelle oder die Vorbilder erfährt. Weiter so!