"Duell"- Truck Eigenbau

"Duell"-Truck Eigenbau

 

The evil is allways and everywhere

 

Tank-LKW Eigen- bzw. Umbau, Maßstab 1:25

Das rottige, ranzige, rostige Monster aus Steven Spielbergs erstem Film Duell zu bauen, war mir schon lange ein  Bedürfnis. 

Eigentlich ist es sein zweiter, vom ersten sind einige Filmrollen verschwunden und so gilt seine zweite Regiearbeit allgemein als sein erster Film, nicht Wenige meinen, es wäre auch sein bester.

Mit einem Budget von 450 000$ war es wohl auch sein billigster. Allein in Europa spielte er 6 Mio. $ ein. Ursprünglich als Fernsehfilm in 14 Tagen mit einem Truck abgedreht, der am Ende auch noch zerstört wurde, war der Film ein solcher Erfolg, dass man beschloss 14 Minuten nachzudrehen um daraus einen 90 Minuten Kinofilm zu schaffen.

Spielberg hatte den Stoff aus dem ´Playboy`nach einer Kurzgeschichte von Richard Matheson.

 

 

Für die zusätzlichen Szenen wurden drei weitere ähnliche Laster erworben, von denen nur einer überlebte. Sie fanden keinen 281er von 1955 mehr, sondern einen weitgehend Baugleichen von 1960. Nur der Luftfilter war anders, was man in manchen Filmausschnitten sehen kann.


 

Er ist heute in liebevoller Sammlerhand bei Brad Wike aus Lincolntown, North Carolina, der auch noch andere  Pretiosen sein Eigen nennt, unter anderem den Bandit Truck aus dem Burt Reynolds Film `ein ausgekochtes 

 

Schlitzohr ´.


Den "Needle Nose Peterbuild 281" aus dem Jahr 1955 gibt es nicht als Model und auch den "Fruehauf" Tankauflieger von 1948 sucht man im korrekten Maßstab vergeblich.

 

Am nächsten dran ist der allererste AMT  Truck Bausatz mit der Nr. T 500 . Heutzutage auch schon schwer zu finden .

 

Er stellt einen Peterbuild 359 anfangs der 70er Jahre dar. 


 

Den Tankauflieger gibt es momentan von Lindberg als Wiederauflage Nr HL 118/06  im Doppelpack mit einer  Dodge L 700 Sattelzugmaschine. Früher gab es ihn von Testors und ursprünglich von IMC. Er datiert vom Anfang der 60er Jahre, ist das am nächsten zum Film erhältliche und doch meilenweit vom angestrebten Vorbild entfernt. Es ist  nämlich der einzige Oval Tanker, der in Frage kommt. 


Der Umbau entwickelte sich zur Tortur.

Nach der Transformation in einen 1948er Fruehauf stellte sich heraus, dass vom ursprünglichen Bausatz noch jede Menge übrig war. Benötigt wurden ca 67% vom ovalen Tankkörper, der Fahrschemel mit Rädern und Achsen und ein Teil vom Pumpenkasten. Es artete in eine wüste Eigenbauorgie aus den Tanker um ca 15 Jahre älter zu machen.

In der März/April Ausgabe Nr.2/2019 vom  Last & Kraft Oldtimermagazin sind schöne Fotos und die Story vom  überlebenden bösen Buben abgedruckt.

Nach der Lektüre war ich so angefixt von dem Projekt, dass ich sofort loslegen musste.

Ein Peterbuild 359 lag schon lange bereit, um ihn zur Killermaschine umzubauen. 

Letztendlich war es der aufwendigste Umbau, den ich jemals versucht und verwirklicht habe, außerdem gab es die Vereinbarung mit einem sehr guten Freund die Zugmaschine doppelt zu bauen und die Anbauteile für den  Trailer dazuzuliefern.

Den Tankauflieger muss er "nur " noch zusammen und umbauen. So habe ich also alles 

 

doppelt angefertigt.


Die DVD "Duell" habe ich mir zu Studienzwecken besorgt, obwohl ich den Film schon öfter gesehen habe. 

Sie hat mir zur Meinungsfindung verschiedener Problemlösungen am Objekt hervorragende Dienste geleistet.

Bei der Bausatz Auswahl war ein wichtiger Aspekt, dass der 359 noch ein blattgefedertes Chassis hat, und noch  jahresmäßig am nächsten am 281 dran ist.

Aus beiden Armaturenbrettern habe ich die Anzeigen ausgesägt, neu arrangiert und aus diesem und jenem ein korrektes Instrumentenbrett angefertigt. Danach habe ich aus Zahnarztsilikon eine Form gezogen und aus  Stabilit Express einen Abguss für den zweiten Truck angefertigt. Wer das Ding auch bauen will, kann sich vertrauensvoll an mich wenden und kriegt einen Abguss, wenn er schön Bitte-Bitte sagt.


In der Beifahrertüre vom 359 befindet sich eine ovale Scheibe die 1955 natürlich noch nicht üblich war.

Also musste ich ein neues Türblatt anfertigen (mit allen Nieten) und auch bei der Innenwanne die Öffnung verschließen.

Von den vier Trucks im Film gleicht in den Details keiner dem anderen. Einer ist sogar dabei mit einem runden Tank und anderen Radausschnitten! Die Klimaanlagen außen an der Rückwand der Fahrerkabine waren auch unterschiedlich. 

Einer hat unter der Beifahrertüre einen Tank, meiner hat rechts die selbe Batteriekastentreppe wie links, da man in den meisten Filmeinstellungen diese Konfiguration sieht. Ich habe sie aus den Rahmenriffelblechen vom 359 angefertigt.

Haube und Grill sind beim 281 komplett unterschiedlich zum 359. Der 359 hat eine breitere Alligatorhaube und der 281 einen Deckel mit abnehmbaren Seitenblechen so ähnlich wie ein 32er Ford. Der Grill muss um 6,5mm schmäler werden und der Kühler auch.  Beim Kühler selbst reicht es die Seitenbleche abzuschneiden. Beim Grill habe ich das

Kühlergitter rausgeschnitten, aus der Grillumrandung am Scheitelpunkt 6,5 mm rausgenommen und den ganzen Grill um 2mm verkürzt. In die nun schmälere Grillöffnung mußten 17 winzige Lamellen eingeklebt und ausgerichtet

werden. Bei zwei Grills macht das 34 Lamellen aus auf den Zehntelmillimeter zugeschnittenen Evergreenstreifen.

 

 

Danach war ich Urlaubsreif.

Die Haube wurde neu gepfeilt, war aber dadurch zu kurz. mit Plastikstreifen habe ich sie vorne und hinten verlängert , egalisiert und wieder an die Kabine und den Grill angepasst. Auch die Luftfilterumgebung muss aus der Haube ausgeschnitten werden und bleibt fest an der Kabine stehen. Außerdem gehört der Luftfilter 4mm tiefer gesetzt. Die Firmenlogos an den Haubenseiten gehören weg. Vorher habe ich mir aber eine Form gezogen und der Abguss sitzt nun auf dem Blech am Grill, das ich auch anfertigen musste.

Dadurch dass die Haube nun der Fahrerkabinenpfeilung folgt, passten die Kotflügel nicht mehr. Mit zusätzlichen Zwischenblechen und dem abgeschnittenen unteren Haubenseitenviertel, das fest eingeklebt wird, müssen sie neu ausgerichtet werden.

 

Auch der Ölfilter auf der linken Seite sitzt 4mm tiefer.

Die Lampenöffnungen in der Stoßstange wurden verschlossen. Beim Original haben sie einfach runde Blechdeckel mit einer großen Schraube zum Verschließen angebracht.

Markantes Detail auf der Stoßstange vom Filmbösewicht, ist ein Feldbahngleis! Damit rammt sich`s besser!   

Ich habe ein  Minitrix Eisenbahngleis  genommen, auf die erforderliche Länge abgesägt, mit Zap-a-Gap vier Streben eingeklebt und die Plastikschwellen rausgesägt.

Die Zusatzscheinwerfer aus dem 359er Bausatz habe ich zu Hauptscheinwerfern erklärt, die Halter von den Doppelscheinwerfern abgeschnitten und Seitenverkehrt an den feststehenden unteren Teil der Seitenverblechung geklebt, damit sie nun für den Glotzblick der ehemaligen Zusatzlampen sorgen.

Anstatt der üblichen Fünf Dachpositionslampen hat er nur Zwei. Und die gehören komischerweise rot gefärbt.

Der Dodge  L 700 von Lindberg hat die korrekten Oldstylelampen und mußte 4 Stück spendieren.

Den Fifthwheelsupport habe ich anhand der Fotos in der Last+Kraft umgebaut. Alles wurde mit Mattlack und dem hervorragenden Alterungsset von Revell verrostet und verdreckt.

Der Auspuff entstand aus einem Filzstift und Evergreenröhrchen.  Der Pogostick hinter dem Führerhaus trägt unterschiedlich dicke Leitungen für Luft und Strom, die mit Aderendhülsen an den Auflieger angeschlossen werden können.

Alle Handgriffe am Truck und am Auflieger sind aus 0,5mm Injektionsnadeln zurechtgebogen und eingesetzt worden.

 

In der Apotheke meines Vertrauens gab es 100er Packungen, die man mir sogar verkauft hat.


Alle bisherigen Bemühungen die Zugmaschine authentisch zu gestalten erwiesen sich als Kindergeburtstag gegenüber dem Versuch, den Auflieger dem Original nachzuempfinden

Schlimmstes Feature ist der hintere Tankabschlußdeckel! Er gehört oval und in alle Richtungen gewölbt auf den schräg abgeschnittenen Tankkörper geklebt. Lindberg verschließt den Tank mit einer fast ovalen Platte.

 

Darauf folgen fast zwingend Anwandlungen das Hobby zu wechseln. Vielleicht Briefmarken oder Bierdeckel sammeln?

 

Ich habe mich dazu durchgerungen den ganz harten Weg zu gehen und den Deckel anzufertigen.

Nach dem Absägen der Schräge vom Tank, habe ich eine Platte der Schnittfläche angefertigt.  Der untere Teil des Tanks besteht aber blödsinnigerweise aus einem halben Hexagon. Die untere Tankwölbung fehlt also. 


Nachdem ich sie auf der Schnittflächenplatte zeichnerisch mit Hilfe der Bausatzendplatte ergänzt hatte, konnte ich sie aussägen. Darauf habe ich mir aus  2mm Evergreen Sheet ein Profil der Wölbung das schräg abfällt ausgesägt und für die andere Richtung ebenfalls.

Ca 10mm von oben und unten her war aber Schluss mit lustig. Profil zu flach zum Aussägen. Den restlichen Bereich oben und unten musste ich mit selbstgemischtem Plastikspachtel (Roberts Lieblingsstoff) ausfüllen und angleichen.

Immer wieder Löcher und Senken ausfüllen tagelang warten, bis das Zeug trocken war und geschliffen werden konnte und danach das ganze von vorn. Auch davon habe ich eine Form gemacht und zum restlichen Anbauzeug mitgeliefert

Der Tankkörper besteht aus vier Halbschalen, da man entweder einen kurzen oder einen langen Tanker bauen kann. Alle Hälften haben einen umlaufenden Wulst der a)weg muss und b)verschliffen und verspachtelt gehört.

Wie bereits angesprochen besteht der Tank unten aus einem halben Hexagon. Die vorderen zwei Drittel müssen weg und durch eine gebogene Platte, die die korrekte Wölbung darstellen muss, ersetzt werden. Nur hinten im Bereich des Fahrschemels durften die geraden Flächen bleiben. In der Last & Kraft gibt es ein Bild vom Auflieger vorne unten. Dort ist der Tank oval, ruht lediglich auf zwei rostigen Längsträgern und den vorderen Abschluss bildet ein Außenschild. Ich 

 

habe versucht, die ganze Angelegenheit nachzubilden.


Im rechten Seitenkastenteil sitzt der Schlauch und Pumpenkasten. Die Klappe dafür hab ich mit einem selbstgefertigten Scharnier versehen. Der Pumpenkasten entstammt dem Tankerbausatz, nur hier sitzt er an der rechten Seite und im Kit hat er zwei Flügeltüren und befindet sich im Heck !

Die Einfülldeckel auf dem Tank sind Abgüsse von einem AMT Tankauflieger. Die Filmoriginale differieren zwischen 3 und 6 Stück.


Auf  einem Foto im Internetz sieht man ein Bild aus der Schlußsequentz des Films von oben, wo er den Plymouth den Berg hochjagt, und dort sieht man, dass es ein Dreikammertanker ist. So hat meiner auch nur drei Deckel. 

Brad Wike`s Überlebender hat zum Beispiel  sechs Deckel.  Auch den Laufgang auf dem Tank musste ich aus Evergreen anfertigen. Die Leiter an der Front besteht aus 1,2mm Draht und wurde mit Zap-a-Gap zusammengeklebt.

 

Lackiert habe ich alles mit Tamiya  T S 1  Red Brown.

Der  " Flammable "  Schriftzug am Heck ist handgemalt und alles wurde verdreckt und verrostet mit dem Revell  Weathering Set und allen möglichen Humbrol und Revell Braun und Schwarztönen.

Aus einer Holzplatte, dickem Karton, Tonpapier, Steinspray und einer vergrößerten Kopie vom DVD Deckelbild entstand ein Display.

 

Wenn ich mir das Ergebnis von einem guten halben Jahr Arbeit so betrachte, kann ich mir vorstellen, wie es wäre von so einem Ungeheuer durch die Wüste und  die Berge hoch gehetzt zu werden. Das ist mit Sicherheit kein sehr angenehmes Gefühl.  Angst ist der Antrieb. Steht so auf dem Film Cover.

                                                                                        

D A S     B Ö S E    I S T   I M M E R    U N D   Ü B E R A L L 

 

Leider gibt es vom Plymouth Valiant kein Model, nicht mal was ähnliches um es umzubauen. Das wäre mal eine Aufgabe für die Resincaster.

Das einzige mit zumindest ähnlichem Kühlergrill wäre der Plymouth Duster von Monogram, aber der Rest vom Auto ist unbrauchbar um daraus einen Viertürigen Valiant zu schnitzen.

Modelle, Text und Bilder: Günther Eberhardt, München

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Kommentare: 2
  • #1

    Gerhard (Montag, 16 September 2019 18:17)

    Wie sagt Günther immer wieder so schön: "Wer in seinem Leben keinen Sohn gezeugt, kein Haus gekauft, keinen Achtzylinder gefahren und keinen Duell Truck gebaut hat, der hat nicht gelebt!" (Zitat Ende). Er hat das alles gemacht, und seinem Bericht nach war der Bau des Duell Trucks die schwerste Aufgabe von allen. Und so gebührt ihm unser Respekt dafür, dass er sich diesen Problemen mutig gestellt und das Ganze auch noch - wie man sieht! - zu einem guten Ende geführt hat. Damit hast Du, lieber Günther, endgültig den Gipfel des Modellbau-Olymp erklommen - was kann da noch folgen? Es bleibt spannend...!?!

  • #2

    Oliver Löbert (Dienstag, 17 September 2019 21:14)

    Was für eine Arbeit in dem Truck steckt kann ich mir sehr gut vorstellen. Teile davon im frühen Baustadium habe ich ja schon gesehen aber das der so beeindruckend dann daher kommt konnte ich mir damals noch nicht vorstellen. Ich bin kein Truckfan aber das Thema an sich ist hochinteressant da ich den Film damals mit ca. 13 Jahren allein abends im Fernsehen sah. Ich weis noch genau das ich damals vor lauter Aufregung fast nicht einschlafen konnte und dann später von dem Horrortruck träumte. Die Handlung ist so simpel aber die erzeugte Stimmung mit den Verfolgungsszenen ist so einzigartig. Ein Meisterwerk der Filmgeschichte und ein perfektes Thema für den Modellbau. Super gemacht Günther!