The Meinhattan

1937 Ford Boattail Custom

 

The Meinhattan

 

 

Testors – Lindberg - Monogram, Maßstab 1:25

Eigentlich...

 

Eigentlich sollte man ja meinen, dass ein erwachsener Mann fortgeschrittenen Alters - also ich, irgendwann mal gescheiter wird und aus seinen Erfahrungen lernt.

 

Ich bin da scheinbar die Ausnahme, denn als ich irgendwann so Ende Oktober 2019 im Internet ganz beiläufig nach brauchbaren Custom-Vorlagen surfte, stieß ich auf ein Bild, das mich sofort elektisierte. Ein wunderschöner 37er Ford mit ellenlangem Boattail Heck, es handelte sich um ein Hot-Wheels Modell, gezeichnet von keinem Geringeren als Chip Foose, mit dem Namen „Manhattan“.


Ich in meiner grenzenlosen Begeisterung hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als die Bilder meinem Freund Günther (Plastik-Custom-Papst himself) per Email zu schicken.

„Mal schauen, was der davon hält“ war eigentlich mein Gedanke..

 

Ich hatte die PC-Maus noch nicht richtig aus der Hand gelegt, klingelte schon das Telefon.

Günther war dran: „Ja bist Du deppert! Der ist ja geil!“ Jetzt kommt´s: „Den musst Du bauen!

Pass auf, da brauchst Du das Aluma Coupe von Testors und einen 37er Ford von Monogram und für den Hintern könnte der Auburn Speedster von Lindberg herhalten. Den Ford habe ich übrig, den kannst von mir haben und wegen den anderen Kits frage ich mal den Guru“.

Von meinen Zwischenkommentaren wie „Aha? Ja aber! Soso..“ völlig unbeeindruckt, hatte Günther das Modell in Gedanken schon fertig gebaut und legte auf.

Ich war gedanklich noch völlig überfahren und versuchte gerade zu kapieren, was ich da wieder angerichtet hatte, klingelte nach ca. 15 Minuten erneut das Telefon.

Diesmal war Guru – also Gerhard, dran:

„Ja bist du deppert (zum zweiten mal)? Der ist ja wunderschön! Der Günther hat mich angerufen, die beiden anderen Kits kriegst Du von mir, wir bringen dir die Dinger nach Frankfurt mit“

 

Leider hat sich meine Hoffnung, dass die beiden das Ganze bis dahin vergessen haben und ich aus der Nummer doch noch raus komme, nicht erfüllt.

Kaum angekommen, legten sie mir die drei Modelle vor die Nase mit den Worten: „die bekommst du umsonst, aber Du musst ihn bauen!“

Als ich dann auch noch erwähnte, dass ich mir für die Kotflügellinie den 48er Buick von Norman Timbs als Vorbild nehmen möchte, ging sofort eine wilde Zeichnerei los, wie und mit was welches Ergebnis zu erzielen wäre.

Ich war sogar so weit, für die Trittbretter eine Schachtel „Ferrero Rocher“ zu kaufen, weil der Deckel der Verpackung genau den richtigen Radius haben sollte.

Hatte er nicht aber wenigstens die Schokolade war lecker.

 

Ja, und ein Name für das Modell war auch schnell gefunden, in Anlehnung an das Vorbild Manhattan und „meinen“ eigenen Vorstellungen, wurde das Projekt „Meinhattan“ getauft.

 

Wieder zuhause, ging´s los: Zuerst habe ich das (eigentlich hässliche) Aluma Coupe zerlegt, den Vorbau des Ford´s vom Rest der Karosserie abgetrennt und die beiden Teile zusammengeklebt.


 

 

Dann ging es weiter, indem ich den Aluma – Body kurz nach den Türen durchgeschnitten habe, nach hinten um ca. 5mm mit Evergreen Streifen verbreiterte und daran dann die beiden abgetrennten Boattail – Hälften vom Auburn anklebte.


Anschließend wurden die beiden Heckkotflügel vom Ford an den Body angeklebt.

Und danach ging es weiter mit den beiden Custom-Trittbrettern aus dem Ford Kit (nein keine Ferrero Schachteln), die zwischen die Kotflügel geklebt und mit Evergreen nach unten verlängert wurden.

 

Um die geschwungene Linie, die ich mir vorstellte, zu bekommen, habe ich einen 4mm breiten Evergreen-Streifen zwischen die beiden Kotflügel und dem Trittbrett, bündig an die Karosserie geklebt. Die Rundungen habe ich dann mit verschieden breiten, aneinander geklebten Evergeen-Streifen modeliert.

 

 

Die Heckkotflügel habe ich mit breiten Kunststoff-Streifen zum Heck hin verlängert und den Übergang zum Body selber, ebenfalls mit Evergreen Streifen verschlossen.


 

 

Das Dach besteht aus den vorderen zwei Dritteln des Aluma Coupes und dem hinteren Klarsicht-Heckteil der 63er Corvette, das genau die richtige Breite und den richtigen Radius hatte.


Und dann begann das große Spachteln und Schleifen. Ich hatte (und habe immer noch) vom Bau des Blue Pearl noch ungefähr eine halben Liter flüssigen Kunststoff übrig, mit dem die ganze Fuhre zugekleistert wurde. Das Zeug hat mittlerweile die Farbe und die Konsistenz von gelbem Rotz und stinkt gotterbärmlich.

Und hieß es warten... Und warten... Und warten...

 

Nach ca. zwei Wochen war der „Rotz“ dann soweit, dass er hart war und bearbeitet werden konnte. Zuerst mit 180er Schleifpapier grob in Form gebracht und dann mit 600er nachgearbeitet. Natürlich war das Modell noch lange nicht fertig, also wieder „zurotzen“ und warten... und warten... und warten..

 

Nach weiteren gefühlten zwei Jahren (waren nur zwei Wochen) die ganze Schleifprozedur von vorne. Jetzt sah es schon ganz gut aus, weshalb für die ganz feinen Unebenheiten und Kratzer, 2K-Feinspachtel zum Einsatz kam. Jetzt mit 600er Papier nass verschliffen, wobei die Spachtel-Schleiferei ca. 5 mal wiederholt wurde.

 

Dann noch „schnell“ das runde Heckfenster ausgebohrt, die Zierleisten an Motorhaube, Body und Dach mit Evergreen aufgeklebt und zum ersten mal grundiert um überhaupt mal zu sehen, wie das noch vierfarbige Auto denn in einer Farbe aussieht.


Jetzt erst kamen die ganzen feinen Unebenheiten zum Vorschein, die dann ebenfalls wieder mit Feinspachtel und Grundierung ausgeglichen wurden.

Und dann ging es mit der Qual der Wahl um die Lackierung los. Völlig unbedarft, was ich denn drauflackieren sollte, fragte ich einige meiner Modellbau-Freunde um deren Meinung.

 

Günther: „Einfarbig! Unbedingt einfarbig, Bloß nicht zweifarbig!“

Oli: „Irgendwas Helles, Grelles, Buntes!“

 

Nachdem ich mir die Meinungen eingeholt hatte, wusste ich schon mal, wie ich das Modell nicht lackieren werde.

 

Ich habe mich (ja, vorher schon) für eine elegante Zweifarblackierung in Braunrot-Metallic und Goldmetallic entschieden, überzogen mit 2K-Klarlack.


Dann kam mein Lieblingsabschnitt eines jeden meiner Modelle, nämlich die Scheiben. Das Heckfenster war ja aus dünnem Evergreen-Material schnell hergestellt und eingeklebt. Aber die Frontscheibe geriet fast zum Fiasko.

Dummerweise hat nämlich das „Quick-Builder“ Aluma Coupe kein Interieur und deshalb schwarze Scheiben. Also dachte ich, dass ich mir mit der Form der schwarzen Scheibe aus meinem Material selbst eine herstelle. Was nach mehreren Versuchen kläglich scheiterte, da die Scheibe unten und oben verschiedene Radien hat und daher auch oben stärker gekrümmt ist als unten. Noch dazu kommt, dass an der Karosserie keinerlei Klebemöglichkeiten vorhanden sind. Lediglich an oberen Dachrand ca. 0,5mm, ansonsten ist die Scheibe mehr oder weniger unter Spannung einfach in den Rahmen eingeklemmt.

Also dachte ich mir, dass vielleicht die Klarsichtscheibe aus dem „Detailed“ Kit von Testors passt.

Deshalb habe ich einen Hilferuf an die „Cummunity“ gesendet, ob nicht vielleicht jemand so eine Scheibe erübrigen könnte oder gar den ganzen Kit hergeben möchte.

An dieser Stelle schon mal herzlichen Dank an die angebotene Hilfe, letztendlich was es wieder der Günther:

„Unternimm erst mal nichts, ich habe da eine Lösung. Ich habe da eine alte Mon Cherie Pralinen Osterglocke (kurz vor Weihnachten?) da mache ich was draus!“

Ein paar Tage später flatterte der Hermes-Götterbote mit einem Päckchen aus München bei mir vorbei, mit zwei wunderschönen Scheiben als Inhalt.

Kurz drangehalten – könnte passen! Nachdem ich mich ganz artig bedankt hatte, wollte ich die Scheibe einkleben – ging nicht! Oben ja, unten nein weil zu breit und zu weit. Also blöderweise etwas hier und da weggefeilt, jetzt passte sie zwar unten halbwegs, dafür war sie oben jetzt zu flach und fiel jedesmal heraus.

 

Also habe ich die zweite Scheibe, so wie sie war, eingeklebt. Passt nicht 100%ig, aber wesentlich besser als mein Pfusch. Die noch bestehenden Spalten, versuche ich demnächst mit Microsol Kristal Clear aufzufüllen. Soll funktionieren. Sagt der Günther.

Das Interieur ist ebenfalls ein wirres Durcheinander von Teilen verschiedener Bausätze:

Die Wanne besteht aus dem zurechtgeschnittenen Boden vom Monogram-Ford, ebenso die beiden Seitenteile, die nach hinten sich verjüngend seitlich an den Boden geklebt wurden. Vom Ford sind übrigens auch Lenksäule und -Rad. Das Armaturenbrett stammt vom Auburn, es wurde an den Seiten etwas verschmälert, damit es zwischen die Seitenteile passt. Die beiden Sitzbänke sind von einem bereits ausgebeinten 41er Ford Woody von AMT, die ebenfalls recht heftig in der Breite reduziert werden mussten.

 

Die Spritzwand mit dem Fußraum stammt woher? Richtig! Auch vom Ford und wurde schon vorher in den Body geklebt, damit die ganze Flickschusterei etwas stabiler wird.


Die Räder mit den Reifen sind von einem 70er Monte Carlo Lowrider geklaut. Als Achsen dienen hölzerne Schaschlik Stäbchen, die mit den angeklebten Rädern unter die Karosse geklebt wurden. Sieht jetzt von unten nicht so prickelnd aus, aber ein richtiger Rahmen mit Achsen und Antrieb hätte nie unter das Auto gepasst. Ich wollte ja, dass das Modell so weit runter wie möglich kommt, mit Rahmen hätte es mehr Ähnlichkeit mit einem High Boy gehabt.

 

 

 

Der Grill gehört zum Aluma Coupe und die Scheinwerfer stammen unverwechselbar vom 37 Ford.


Tja, so kann es gehen, wenn man in einem Moment der unbedarften Blauäugigleit, seinen echten Freunden das richtige Bild schickt.

Auf diese Weise ist ein Modell entstanden, auf das ich sehr stolz bin (ich weiß, Eigenlob stinkt), auch wenn ich beim Bauen an meine Grenzen gestoßen bin.

Nochmals meinen aufrichtigen Dank an Günther und Gerhard für die kostenlose Bereitstellung der Bausätze und an alle, die mich moralisch wieder aufrichteten, wenn ich wieder moralisch am Boden lag.

 

Apropos moralisch am Boden:

Pünktlich zur Fertigstellung des Modells, fängt am Dach die Verbindungsnaht zwischen den beiden verklebten Hälften an, abzusacken. Zuerst nur als leichten Schatten im Gegenlicht zu erkennen, ist es nach ein paar Tagen bereits eine richtige Beule im Dach.

Auch wenn es mir nicht gefällt: Ich werde wohl in eine paar Wochen, wenn sich die ganze sch... Chemie wieder beruhigt hat, das Auto teilweise zerlegen müssen, um den Schaden auszubessern.

Ich könnt heulen...

 

Wobei der Oli ja meint: Eigentlich könnte man das separate Dach schön abkleben und teilweise ausbessern.

 

 

Eigentlich...


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Kommentare: 6
  • #1

    Reinhold (Samstag, 04 Januar 2020 08:03)

    Mensch Robert, das Teil sieht ja vogelwild aus! Eine Mischung aus Raumschiff (mein erster Gedanke war das knatternde Ding von Flash Gordon - wegen des kleinen Auspuffs) und einem Bob. Der sieht schon im Stand aus, als könnte er Warp-Geschwindigkeit erreichen! Und die Lackierung erst - einmalig! Zweifarbig ist schon die bessere Wahl, die Farben harmonieren auch prächtig miteinander. Und wie Du die ganzen Rundungen hingekriegt hast - größter Respekt! Das mit dem Dach tut mir leid, ich hoffe Du findest eine passende Lösung, wie das wieder gerichtet werden kann.

  • #2

    Gerhard (Sonntag, 05 Januar 2020 00:57)

    Hurra, das "Custom-Battle" zwischen Robert und Günther ist in vollem Gange und beide spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an!!! Dieser "Meinhattan" ist auf jeden Fall ein einmaliges Modell geworden und man darf jetzt auf Günthers Antwort gespannt sein. Die Messlatte liegt damit wieder mal verdammt hoch und es verspricht ein spannendes Jahr 2020 zu werden.....!!!!!

  • #3

    Robert (Sonntag, 05 Januar 2020 07:59)

    Danke für die netten Worte. Ich würde es aber nie wagen, mich mit Günther "battlen" zu wollen, da ich da immer den Kürzeren ziehen würde. Ich sehe es eher als "ein in die Lehre gehen", da Günther immer eine Lösung für alle Probleme parat hat. Er ist es auch, der mich mit dem Customizing angesteckt hat. Ich hätte nie gedacht, dass dieses Umbauen von Modellen mir als Stock-Fan so viel Spaß macht. Ich werde mich also weiterhin in unregelmäßigen Abständen an Customs versuchen. Geeignete Opfer habe ich genug: 57 Chrysler, 62 T-Bird, 56 Ford, 70 Chevy.....

  • #4

    rainer (Sonntag, 05 Januar 2020 09:38)

    wieder ein wunderschönes Teil ! Alle Achtung, auch wegen dem sehr hohen Aufwand und Durchhaltevermögen. Gelungene Farbgebung, hervorragendes Finish.
    Zwar nicht meine Richtung (STOCK) aber absolut einen neugierigen (neidischen) Blick wert.
    Mal sehen wie sich die "Custom-Schlacht" entwickelt.

  • #5

    Günther (Sonntag, 05 Januar 2020 13:27)

    Traumteil ! Ich hab keine " Customschlacht " mit dem Robert und ich sehe es auch nicht als
    Wettbewerb an. Es ist schön wenn jeder Sein Unikat herstellt und man dann was sieht , was
    man noch nie vorher irgendwo gesehen hat und das Ding dreidimensional betrachten kann
    und jeder sabbert und denkt: hätt ich auch gern ! Serienautos kennt ja jeder, aber , real
    wahr gewordene Träume in Plastik sind etwas ganz besonders reizvolles. Und ich werde
    mich auch in Zukunft immer wieder mal an Stock Autos versuchen weil ich die Vielfalt
    liebe und die ganze Bandbreite an building possibilities ausnutzen möchte.

  • #6

    Oliver Löbert (Montag, 06 Januar 2020 10:58)

    Eigentlich ist schon alles gesagt und ich schließe mich meinen Vorrednern (Vorschreibern :-) nahtlos an. Ich sehe das auch nicht als Schlacht an. Eher ein gegenseitiges motivieren zu immer weiteren Höchstleistungen die scheinbar kein Ende nehmen wollen. Gut so! Wir als Custom Zaungäste staunen nur noch über das was hier an Kreativität und Handwerkskunst ständig neu "anrollt". Robert hat in seiner aktuellen Custombau Sturm und Drangzeit gar nicht realisiert das er eigentlich schon im Scratchmodellbau angelangt ist. Bei diesem Projekt hat er nicht nur einfach Customteile raffiniert kombiniert und damit ein Grundmodell modifiziert sondern hat aus den Karosserieteilen von drei !!! ganz unterschiedlichen Fahrzeugen ein neues Auto gebaut. Er hat dabei komplett neue Formen geschaffen und musste dabei viel Material ergänzen so das es sich zu einem völlig neuem und eigenständigen Modell entwickelte. Man darf das auch designerisch nicht unterschätzen da hier mal schnell die Proportionen entgleiten und etwas unförmig und unästhetisch wirkt. Selbst da muss ich gestehen hat er ein gutes Händchen gehabt. Das Teil wirkt von allen Blickwinkeln vollkommen und nicht übertrieben bzw. sehr ausgewogen. Das ist das ganz Besondere an diesem Extremcustom wo die meisten Anderen daran scheitern.