1962 Ford Thunderbird Custom

1962 Ford Thunderbird Custom

 

„The Cyclops“

 

 

Umbau AMT-Kit, Maßstab 1;25

Der Zyklop (frei nach Wikipedia): Zyklopen sind Gestalten der griechischen Mythologie, die in Abstammung, äußerer Gestalt, Lokalisation und Eigenschaften voneinender differieren. Ihnen gemeinsam ist u.A. das Einzelauge auf der Stirn.

Nun, in der Zeit so weit zurück müssen wir jetzt nicht, es reicht auch das Jahr 1962. Das ist nämlich das Baujahr des Ford Thunderbird, der für meinen Custom als Basis diente.

Schuld an dem Bau dieses Modells war der Günther. Wobei, Schuld daran, dass der Günther Schuld war, war eigentlich ich.

Ganz einfach: Ich hatte ihn ja vor einiger Zeit dazu angestachelt, den Body vom 66er T-Bird mit dem Dach vom 65er Mustang zu verheiraten. Das Ergebnis war sein wunderschöner Ford Thunderstang, der ja auch hier auf meiner Seite zu bestaunen ist.

 

„Sowas will ich auch haben“, dachte ich mir! Aber haargenau das gleiche Modell nochmal zu bauen, wollte ich dann doch nicht. Also habe ich mir das 62er Baujahr zur Brust genommen. Und da ich ich sowieso vorhatte, dieses Modell mal irgendwann zu customizen, habe ich einfach beides gleichzeitig gemacht.


Los ging´s mit dem Heraustrennen der beiden Dächer und dem anschließenden Einsetzen des 1:24 er Mustang-Dachs (Revell) in den T-Bird Body. Was sich jetzt vielleicht total easy anhört, war tatsächlich ein tagelanger Spachtel- und Schleifprozess, bei dem vor allem auch die unterschiedlichen Rundungen von Mustang-Windleitblech und T-Bird-Haube mit viel Spachtel und dem Gebrauch des Haarföhns, einender angeglichen werden mussten.

 

An der Haube selbst wurden die Aussparungen der Scheinwerfer mit Plastiksheet verschlossen und nach vorne verlängert.


Anschließend habe ich die ganzen Zierteile an den Flanken weggeschliffen und mit Feinspachtel geglättet. Die hinteren Räder wollte ich, soweit möglich, voll verkleiden.

 

Da der Kit aber keine Fenderskirts beinhaltet, habe ich einfach aus einer zweiten Karosserie die entsprechenden Sektionen herausgetrennt und in mein Modell eingesetzt.  

Sieht zwar klasse aus, dafür habe ich jetzt keinen kompletten, zweiten 62er Thunderbird-Kit mehr, um das Modell einmal stock zu bauen.

 

Falls also jemand einen übrig hat – für sachdienliche Hinweise bin ich jederzeit dankbar...

An der Front habe ich das Chromteil aus dem Kit komplett entchromt und zersägt, sodass nur noch der äußere und untere Rand übrig blieben. Den Rahmen habe ich dann an die Karosserie geklebt und wieder verspachtelt. Das Zersägen hat leider erst beim zweiten Versuch unfallfrei geklappt, deshalb musste auch hier der ja bereits geplünderte, zweite Kit als Teileträger herhalten.


Deshalb auch hier wieder mein Aufruf, falls jemand einen... naja, ihr wisst schon.

Meiner Meinung nach gibt es kaum ein amerikanisches Auto, dass den Zeitgeist der frühen 60er, also das „Rocket- und Spaceage“ besser darstellt, als die T-Bird Generation vom´n 1961-63. Projektil-förmige Seitenansichten und vor allem riesige, kreisrunde Rückleuchten, die unmissverständlich Raketentriebwerke simulieren sollten.

Wenn der nachts vor dir auf die Bremse latscht – ein Traum in rot!

 

Um das Ganze noch etwas mehr zu betonen, habe ich die Triebwerke mittels Evergreen-Röhren weiter nach hinten versetzt. Das Chromteil vom originalen T-Bird wurde durch ein Customteil vom 63er Annual-Kit ersetzt.


Dann noch „schnell“ die Mustang-Kiemen im Dach verschlossen und zum ersten mal grundiert. Erst dann zeigen sich die ganzen Fehlerchen und Unebenheiten, die einem beim Rohbau nicht auffallen. Insgesamt waren es vier Grundier- und Spachteldurchgänge, bis alles wirklich glatt war.

Als Lack habe ich mich für ein sattes Blaumetallic entschieden, versiegelt mit zwei Schichten 2-K Klarlack.

 

Insgesamt sind jetzt auf dem Modell acht Schichten Farbe, was aber egal ist, da es ja keine Embleme gibt, die sonst unter dem Farbpanzer verschwunden wären.


Eigentlich wollte ich ja auch die Vorderräder analog den Hinterrädern voll verkleiden, um dem Ganzen noch mehr glatte Flächen zu verleihen. Nach dem Veto vom Günther (wie soll man da lenken?) habe ich es dann doch sein lassen.

Aber wen interessiert bei einem Show-Car, das nie die Straße zu sehen bekommt, ob es sich lenken lässt? Zur Not wird das Teil halt mit Rangierwagenhebern durch die Hallen gerollt...

Bei einem, für die Zukunft geplanten Customcar, kommen dann aber die voll verkleideten Räder dran. Mit mitlenkenden Fenderskirts...

 

Auch auf einen Kofferraum habe ich bewusst verzichtet, da ich das glatte, fließende Heck nicht durch Querfugen vom Kofferdeckel unterbrechen wollte. Corvette und Opel GT habe auch keinen, von daher geht’s auch ohne.

Der Innenraum stammt wieder vom Mustang, denn der musste ja unter das Mustang-Dach passen.

Ich habe ihn nur „leicht“ abgeändert, indem ich vorne nur einen Sitz montiert habe. Der Fahrer sitzt mittig auf dem Kardantunnel, die Sitzposition ähnelt stark der eines Chopper.Motorrads. Ich habe dem armen Kerl dann auch noch eine Mittelkonsole aus der Teilekiste zwischen die Beine geklemmt.

Rechts neben dem Kardantunnel hängt das Gaspedal, links davon die Bremse. So bekommt der Begriff des Linksbremsens (ein Begriff aus dem Rallyesport) eine völlig neue Bedeutung.

Das Armaturenbrett wurde auf Mittellenkung umgebaut und mit vier halbkugelförmigen Instrumententrägern ergänzt. Die Teile sind eigentlich die Suchscheinwerfer vom 59er Imperial, die Decals stammen vom Auburn Speedster von Lindberg.

 

Lackiert in einem hellen Blaumetallic, der Boden mit hellblauer Viscose beflockt.


Der Unterboden und das Fahrwerk machten auch einige Arbeit, da der Boden vom T-Bird und die Wanne vom Mustang nicht zusammenpassten. Alles viel zu hoch und auch die hinteren Radhäuser waren im Weg. Hier war auch wieder Improvisation gefragt, bis alles passte. Ein anderer hätte vielleicht Stückwerk oder Pfusch dazu gesagt...

Am Heck dann die runden Rücklichter aus dem Chromteil herausgeschnitten und angepasst. Ich klebe bei roten Klarsichtteilen immer von hinten Chromfolie drauf, damit das Rot schön leuchtet!

An der Nase gab´s für mich diesmal eine Premiere. Ich habe mich ja bis jetzt schon jahrelang erfolgreich um das Ausbohren von Scheinwerfern herumgedrückt.

Und bei meiner Recherche für dieses Modell bin im Netz auf ein Bild gestoßen, bei dem ein solcher T-Bird die Querspange eines 49er Ford verbaut hatte. Das hat mir derart gut gefallen, dass ich das kopieren wollte. Aber statt der kleinen Chromnase der 49-50 Fords wollte ich hier einen einzelnen, mittigen Scheinwerfer haben.

Also ausbohren! Ich weiß nicht, warum ich so lange Angst davor hatte – es geht eigentlich kinderleicht. Zuerst mit verschieden kleinen Bohrern mittig ausbohren (bis ca. 1mm Durchmesser). Dann mit dem Dremel und Mini-Fräsern das Teil aushöhlen und mit der Rundfeile glätten. Dann von hinten einen verchromten Reflektor einkleben und von vorne dann ein entsprechendes Glas einfügen. Ich habe hier ein Teil von einem 30er Jahre-Kit verwendet, da der Scheinwerfer größer ist.

Kleiner Tipp: Aufpassen beim Bohren! Das Material ist schneller durchbohrt, all man denkt. Ich hab´s gemerkt, als der 0,5mm Bohrer plötzlich im linken Zeigefinger steckte!

Aber nach der Notärztlichen Erstversorgung und der der vierwöchigen Reha-Kur ist jetzt alles wieder gut!

 

Und durch den einzelnen, mittigen Scheinwerfer war auch ganz schnell ein Name für das Modell gefunden: The Cyclops – der Zyklop


Das mit dem Customizen ist bei immer so eine Sache: Meist nie so recht geplant, reicht oft ein kleiner Zündfunke und dann geht es auch sofort los. Denn wenn ich zulange warte, fällt mir wieder was anderes ein, und zum Schluss mache ich dann gar nix.

Jetzt geht’s erst mal wieder eine Zeit lang mit Stock-Modellen weiter, wobei der nächste Custom klopft schon an und will gebaut werden.

 

Motiviert vor allem durch mehrfachen Wunsch einer einzelnen Person, die schon seit Jahren diesen geplanten Custom immer wieder auf´s Tablett bringt...

Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Gerhard (Donnerstag, 21 Januar 2021 17:08)

    Wenn zwei das Gleiche tun, ist es - Gott sei Dank - noch lange nicht dasselbe! Günthers "Thunderstang" und Roberts "Cyclops" dient zwar die gleiche Idee als Basis der Kreativität, die Ergebnisse differieren aber doch ganz erheblich und sind in Bezug auf die dahinter stehenden Ideen sowie die Ausführung über jeden Zweifel erhaben. Wieder mal ein Zeichen dafür, wie vielseitig unser Hobby doch ist, selbst wenn zwei das Gleiche tun...

  • #2

    Günther (Donnerstag, 21 Januar 2021 21:35)

    Gleich und Gleich gesellt sich gern! Jetzt bräuchten wir noch jemand , der das selbe
    Träumchen baut, aber auf der Basis von Einem 57er oder 58er. Vielleicht findet sich
    ja jemand auf diesen Epochalen Seiten, der sich angesprochen fühlt und den Beiden hier eine Nr.3 zur Seite stellt ? Wie wär´s wenn Drei das gleiche tun ?

  • #3

    Christian (Donnerstag, 21 Januar 2021 22:36)

    Einfach genial, long, low, sleek, wie in Custom sein sollte. Konnte ich Günther das Kompliment machen, daß sein Thunderstang wie die bessere, schönere Werksversion ausschaut, ist der hier mit seiner weiteren Übersteigerung der Idee geradezu das Concept Car dazu. Himmlisches Blau.
    Habe die späteren Stock-Thunderbirds persönlich nicht so toll gefunden (ergo leider kein solches Bausatz im Fundus bei mir) in ihrer Größe und mit dem kantigen Hardtop, aber dieses Duo hat‘s mir angetan.
    Applaus. Wenn es wir möglich ist sich zu treffen, wäre ein gemeinsames Photo von beiden als Ergäzung des Artikels toll.

  • #4

    Christian (Donnerstag, 21 Januar 2021 22:39)

    Guter Vorschlag, Günther. Robert, wie wär’s mit einer Resteverwertung des Spenderautos? Natürlich nach einer Stock-Erholungspause...

  • #5

    Reinhold (Freitag, 22 Januar 2021 08:00)

    Das Ding aus einer anderen Welt ist der Hammer! Eine Kreuzung aus Düsenjäger und Raumschiff, fehlen nur noch die Flügel und dann hebt er ab - völlig losgelöst! Wahnsinniges Finish, wunderbar glatt und glänzend. Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen mehr gesetzt. Man darf gespannt sein, was da noch Alles kommen wird. Obwohl ich mir gar nicht vorstellen kann, ob man das noch toppen kann.

  • #6

    Oliver Löbert (Montag, 25 Januar 2021 17:29)

    Meeegaaaa!!!!!
    Neudeutsch für extreme Begeisterung über Roberts neueste Kreation. Ich muss ganz ehrlich sein das ich anfangs sehr skeptisch gegenüber dem Projekt stand als ich die ersten Bilder im unfertigen Rohzustand sah. Hat sich Robert übernommen oder hat ihn sein Sinn für guten Geschmack und Proportionen diesmal verlassen??? Abwarten dachte ich und ...schau mer a mol... sagt der Franke. Nein! Volltreffer ins Schwarze!!! Der Blaue hat mich vollends auf den fertigen Bildern überzeugt. Und wieder steht die Frage im Raum wie es Reinhold vor mir schon erwähnte... kann man das noch steigern? Braucht er gar nicht finde ich... er baut einfach immer weiter auf dem höchsten Customlevel den ich kenne.