1970 Oldsmobile Toronado

1970 Oldsmobile Toronado

 

Unusual Olds

 

 

Restauration eines Jo-Han Modells, Maßstab 1:25

Zugegeben, es gibt schönere Autos als den 70er Oldsmobile Toronado.

Aber außergewöhnlich ist er allemal, sowohl optisch als auch technisch. Erstmals vorgestellt 1967, war der Toronado mit seiner, an den 37er Cord angelehnten Optik und dem Frontantrieb, den er sich mit dem Cadillac Eldorado teilte, eine kleine Sensation.

 

Der hier gezeigte 70er Jahrgang wurde optisch weiter entwickelt, so sind die bauchigen Radläufe und die Schlafaugen verschwunden.  

Der Jo-Han Olds ist ja auch schon ein alter Bekannter, der in den 80er Jahren in der US-Oldies-Serie nochmal aufgelegt wurde.

Aus dieser Zeit stammt auch mein Modell und hier noch aus meiner Vor-BMF-Phase. Also noch mit silber gepinseltem Chrom, furchtbar schludrig zusammengepappt, der braune Metalliclack mit einer Schicht Maler-Klarlack aus der 2-Liter-Dose überpinselt und sehr vielen Kratzern und Kleberresten auf den Scheiben.

So gammelte das Modell die letzten 35 vor sich hin, mit dem Ergebnis, dass der Lack immer stumpfer wurde und an den Ecken der Motorhaube bereits abblätterte.

Und da ich momentan eh meine Restaurierungsphase habe, musste der Olds dran glauben.

 

Zerlegt war das Modell gleich und es konnte entlackt werden.

Was aber das Projekt schon fast zum Scheitern brachte, da der alte Lack einfach nicht weichen wollte. Selbst nach fast einem Monat im Entlackungsbad war der alte Farbauftrag nur etwas aufgeweicht und ließ sich lediglich mit einem harten Gegenstand etwas ankratzen. Also zurück ins Bad und nochmal ein paar Tage einweichen.

 

Und dann musste es schnell gehen: Raus aus der Pampe, lediglich mit etwas Wasser abgewaschen und dann dem Ganzen mit Aceton-freiem Nagellackentferner zu Leibe gerückt. Ein Wattepad mit Nagellackentferner getränkt, ca. 20 Sekunden auf das Modell gedrückt und abgezogen. So ließ sich schon mal der größte Teil der alten Lacks abziehen. Dann mit einem weitere getränkten Pad den Rest abrubbeln. Diesen Vorgang musste ich halt dann solange wiederholen, bis alle Stellen am Modell entlackt waren. Dauerte ungefähr einen halben Tag, aber dann war wenigsten der alte Dreck runter.


Grundiert wie immer mit Tamiya Primer, konnte der Body mit einem hellen Goldmetallic von Multona lackiert werden, überzogen mit zwei Schichten 2K-Klarlack.

Das Vinyldach ist auch hier wieder in der bewährten und hier schon oft erklärten Methode auflckiert worden.

 

Hier hat es mir beim Abziehen des Abdeckbandes ein Teil des Vinyldach-Lackes mit abgezogen. Also ausbessern, anschleifen, neu abkleben und neu lackieren. Dadurch, dass ich auf den Zierleisten des Daches ja jetzt zweimal abkleben und lackieren musste, sind einige Stellen nicht mehr ganz so eben. Ging nicht anders, ohne die restliche Lackierung zu beschädigen. Muss ich eben damit leben. Mal davon abgesehen, dass ich vorne rechts eine kleines Häärchen mit einlackiert habe, dass ich erst bemerkt hatte, als der Klarlack schon drauf war...


Die Scheiben waren eigentlich fast nicht zu retten, Aus Ermangelung eines Ersatzes, musste ich also doch die alten Gläser versuchen zu retten. Mit 2000er Schleifpapier und viel Einsatz von Unipol habe ich wenigstens die Kratzer weg bekommen, die dicken Kleberreste am unteren Scheibenrand aber nicht mehr 100%ig.

 

 

Das Interieur wurde ebenfalls neu mit Revell-Seidenmatt neu bemalt, der Boden wieder mit Viscose beflockt.


Der Unterboden mit Motor konnte ohne weitere Behandlung unverändert wieder eingeklebt werden, ebenso das vordere Chromteil. Am hinteren Stoßfänger musste ich den alten und stumpfen Chrom teilweise mit Folie ausbessern, die ich mit Autopolitur dann etwas mehr zum Glänzen brachte.

Ok, er ist jetzt kein Showwinner. Dazu waren die Schäden von früher einfach zu krass und auch die Missgeschicke bei der Restauration haben dazu beigetragen.

Aber besser als vorher ist´s auf jeden Fall. Und das war ja auch der Sinn des Ganzen.

 

 

Ach ja, die hinteren Sidemarker, die auf den Bildern nicht so toll aussehen, habe ich noch ausgebessert...

Robert Eiber, Feucht bei Nürnberg

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Kommentare: 3
  • #1

    Christian (Sonntag, 21 Februar 2021 16:13)

    Also Robert, bravo, die Mühe hat sich gelohnt. Das neue Lackschema mit dem Vinyldach ist schon cool. Der 67er Toronado war ein wichtiger Angelpunkt in jeder Corgi-Sammlung meiner Jugend. Zugegeben, für mich waren die Amerikanischen Autos in den 1960ern am schönsten. Relativ klar und nüchtern, breit, lang, niedrig. Vielleicht ist auch Jo-Han mit seinem damals in Wien erhältlichen Angebot schuld.
    Als ich dann in den Zeitschriften und vor allem dem Katalog der Schweizerischen Automobilrevue die Überarbeitungen ab 1970 gesehen habe, habe ich mich wegen der zunehmenden Dimensionen, vor allem im Überhang schon gewundert und erste Nostalgie-Attacken nach den coolen 60ern verspürt. Herrn Spielberg ist es ja mit American Graffiti auch nicht anders gegangen.
    Aber, aus heutiger Sicht hat der 70er Toronado mit seinem Hammerhai-Bug schon seinen Reiz, hätte ein Customizer vielleicht nicht viel anders gemacht.
    Jedenfalls Gratulation, die Mühe hat sich gelohnt, ein höchst elegantes Coupé, und wie immer toll gebaut und noch besser restauriert.
    Herzliche Grüße, Christian

  • #2

    Gerhard (Sonntag, 21 Februar 2021 19:13)

    Ja, die "Restaurierungsphase"! So wie Robert wird es vielen von uns ergehen: In den unteren Vitrinenfächern ganz hinten schlummert so manches Frühwerk, mittlerweile dick eingestaubt und oft auch beschädigt, vor sich hin. Jedes mal, wenn man da drüber stolpert, kommt unweigerlich der Gedanke: "Den muss ich mir auch noch mal vornehmen!". Leider wird dieser gute Vorsatz nur in den seltensten Fällen realisiert, und noch viel seltener mit einem so umwerfenden Ergebnis wie bei Roberts Toronado.
    Es ist ja auch leider so, dass man in der Zeit, die so eine Restaurierung in Anspruch nimmt,
    leicht zwei Modelle aus der Schachtel bauen könnte. Zudem wird man bei der Restaurierung - und das hat Robert ja auch anschaulich beschrieben - immer wieder zu ungeliebten Kompromissen gezwungen, die das Erscheinungsbild des Modells nicht gerade verbessern. So bleibt jede Restaurierung eine Gratwanderung zwischen "geht noch/geht nicht mehr" und in nicht wenigen Fällen wandert das ganze Ding dann doch noch in irgendeine Kiste mit unvollendeten Projekten, um daraus nie wieder aufzutauchen.
    Glücklich, wem diese kitzlige Aufgabe so gelingt wie Robert, noch dazu mit einem so seltenen Modell wie dem Toronado von Jo-Han - da wollen wir aber schon noch mehr solcher Projekte sehen!

  • #3

    Reinhold (Montag, 22 Februar 2021 07:52)

    Die Frage, ob es schönere Autos wie den 70´ger Toronado gibt, ist wie immer Ansichtssache. Ich finde ihn von allen Toronados am schönsten. Eine richtige "Escape Machine" (wie ihn die Werbung 1970 anpries). Auf jeden Fall sticht er durch seine Form aus der Masse seiner Konkurrenten heraus. Und die Farbe - Gold mit beigem Vinyldach passt wieder optimal! Die Restaurierung ist dir wieder einmal (fast) perfekt gelungen. Wunderschönes Fahrzeug ist er wieder einmal geworden - ich gratuliere dazu!