Revell Antiquitäten

Revell Antiquitäten 

 

Revells Rennsemmeln

 

Revell, Maßstab 1:25

Mercedes 190 SL

Nachdem ich wieder mal auf dieser genialen Homepage zu Besuch war, und ich mich derzeit mit dem (Wieder-) Bau der Revell-Antiquitäten meiner Kindheit beschäftige. Anbei ein kleiner Artikel zum Stand der Fragestellung „Was wäre, wenn ich seinerzeit geduldiger gewesen wäre“.
Dankenswerterweise gibt es immer wieder Neuauflagen der Bausätze, die auf die Welt kamen, als die Vorbilder noch neu beim Händler standen. Diese “aus der Schachtel“ ohne Scratch- und
Detailierungsorgien nochmal zu bauen war die Aufgabe.
Also die Chance am Schopf packen und loslegen:

Zuerst wäre da der Nitribit-190er von 1963. Ich kann mich noch dunkel an meine erste gebaute
Variante mit „Leichtbau“-Türen erinnern, die heute noch bei Günther im Fundus seiner geradezu
unglaublichen Modellbaugarage stehen müsste. In enzianblau, aber halt nur mit den modifizierten Türen und dafür ohne die viel zu wuchtigen Stoßstangen, die dem Kit beilagen und die Optik vollends ruiniert hätten. Ich befürchte, dass ich sogar die Wohnzimmerbestuhlung drin gelassen habe!
Der Beitrag eines Modllbauers im Internet, der versucht hat, die anderen Schwächen des Kits
auszubügeln (es gibt halt keine 190er), hat mich dazu zu inspiriert, es doch nochmal mit der zivilen Variante des Kits zu probieren.

Als da wären der fehlende Krümmer am Motor, samt durch Abwesenheit glänzender Abgasanlage, fehlendem Tank, aber dafür mit der zweiten völlig unkorrekten Reserveradmulde und der doch relativ rudimentären Bodenplatte der Karosserie, die aus so vielen Einzelteilen besteht, dass man den Kit im Briefkouvert hätte verkaufen können.


Bei genauem Vergleich mit dem Original fällt die doch etwas bullige Nase des Gefährts ins Auge, was daran liegt, dass der Grill irgendwie nicht da sitzt, wo er hingehört!
Also den Grill nach oben geschoben und den Übergang etwas flacher gestaltet.
Den wuchtigen Stoßstangen wurde mit der Feile zu Leibe gerückt um die selbigen etwas filigraner wirken zu lassen. Dazu mussten auch die Ecken weiter in Richtung Karosserie „gebogen“ werden, was mittels zweier V-Schnitte bewerkstelligt wurde, 

Genauso wie die Stoßstangen, ist das Lenkrad ein Witz, bei dem ich es aber belassen habe.

 

Porsche 356 Speedster

Wer sich die Form der 356er anschaut, kann durchaus verstehen woher der Begriff
Rennsemmel kommen mag.
Da ich hinsichtlich der Geschichte der Multipiece-Bodys von Revell relativ spät
dazu gekommen bin, mal einen zu bauen, geht die Erkenntnis, dass es sowas gibt, auf Anfang der 80er zurück.
Ich meine mich zu erinnern, dass es ein Sonderangebot bei Obletter für 10,95 DM war; also gerade noch taschengeldtauglich Sie haben mich mit dem Bild des gut gebauten 356er Speedsters auf der Schachtel gekriegt! Aber von sowas war ich könnenstechnisch noch meilenweit weg, so ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Sache ausgesehen hat, wenn ein Teenager so was baut, zu einer Zeit als der Plastikkleber noch aus der Tube kam.


Glücklicherweise kam irgendwann die Wiederauflage von Matchbox daher und da ich kein Teen mehr war, ist das Modell der Ausführung auf der Schachtel schon ziemlich nahe gekommen (erstes Foto vom silbernen).
Wäre da nicht die Sache mit der unanständig breiten Bereifung, die die Karosserie im Bereich der Pobacken ziemlich unansehnlich macht. Aber das habe ich jetzt im dritten Anlauf abgefrühstückt und dabei gleich die Scheinwerfer aufgehübscht. (erstes Foto vom grünen)

Robert "Doc" Martens, München

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Kommentare: 9
  • #1

    Christian (Montag, 09 Mai 2022 19:15)

    Lieber Robert, ein genialerAusflug in die Kindheit. Der Mercedes ging an mir allerdings vorbei. Dafür später der Porsche Speedster, der in der Wiederauflage viel zu breite Räder hat; hast Du ja auch bravourös hingekriegt und der Ranchero, von dem nicht mehr viel übrig ist.
    Der Spagat zwischen Nostalgie und nötigen Korrekturen ist wirklich gelungen. Ein schöner Ausflug in die Historie. Zeigt auch in dieser behutsam bewahrten Einfachheit was für ein schönes Auto das war.
    Wäre stolz, wenn mir mein ähnlich angelegtes Projekt mit dem COX Chaparral 2A annähernd so gut gelingt.

  • #2

    Doc Martens (Montag, 09 Mai 2022 20:03)

    Servus Christian, vielen Dank, da wünsche ich Dir viel Glück und Vergnügen!

  • #3

    Christian (Montag, 09 Mai 2022 23:06)

    PS: Es sollte nicht vergessen werden, daß diese (aus meiner Sicht oft gar nicht so) kleinen Flitzer Straßenbild, Rennszene und Autokultur in Amerika seit den 1950ern nicht unerheblich mitgeprägt haben. Die gehören doch wie Hot Rods, Customs, Buggies, Street Machines etc. eh mit dazu.
    Freue mich auf weitere aus dieser „Ecke“.

  • #4

    Reinhold (Montag, 09 Mai 2022)

    Respekt vor jedem, der sich diese Gurke antut. Hatte den auch mal. Aber nach kurzer Zeit haben sich unsere Wege wieder getrennt. Habs nicht bereut. Wäre mal Zeit für einen new Tool kit. Na, wenigstens hab ich den 300er Roadster von Italeri noch in der Vitrine stehen. Und das auch schon seit ca. 30 Jahren!

  • #5

    Günther (Dienstag, 10 Mai 2022 00:06)

    Hallo Doc
    Deinem blauen Baby gehts nach wie vor hervorglänzend und Er fühlt sich wohl in meiner
    kleinen Modellauto Sammlung , noch dazu wo Er ja Gesellschaft in Form anderer
    Schätzchen aus Deiner-Meiner-Unserer Kinderheit bzw. Vergangenheit hat ! Ich bin schon
    sehr gespannt auf Teil 2 bis Teil X deiner Ausführungen. Trough the past darkly ...

  • #6

    Christian (Donnerstag, 12 Mai 2022 22:51)

    Die Fortsetzung folgte, Danke. Wüßte gerne, wie der Porsche Bausatz vor den breitreifigen 70ern ursprünglich ausgeschaut hat. Aber beim Grünen hast Du ja perfekt korrigiert. Wiewohl auch das breite Ding als Outlaw schon seinen Reiz hat. Schöne Sammlung.
    Wenn es die Vorräte hergeben, wäre da genug Anregung: https://www.emorymotorsports.com/our-cars/

  • #7

    Günther (Samstag, 14 Mai 2022 11:07)

    Hallo Christian
    Wenn Du wissen willst wie die Porsche Gurke ursprünglich ausgesehen hat , mußt du den
    Herrn Professor Dr. Phil. rer. nat.plast. Dr.Dr. Hoffman,fragen, weil der nämlich ( wer
    nämlich mit " h " schreibt, ist dämlich) ein Originol hat.Wie könnte es auch anders sein?
    Soviel mir erinnerlich ist, hatte der bessere Räder , und war auch innen opulenter
    ausgestattet, nicht mit dem Charme eines ausgebeinten Schrottplatz Wracks.

  • #8

    Gerhard (Samstag, 14 Mai 2022 21:27)

    Das Original kam 1959 auf den Markt und enthielt die schmalen Plastikräder mit herrlichen verchromten Radkappen, verchromte Stoßstangen mit Exportbügeln, einen verchromten Speedster-Windschutzscheibenrahmen und einen Beifahrersitz. Im Gegensatz zur Darstellung auf dem wunderschönen Deckelbild lagen diesem Bausatz - wie auch dem 190 SL, der Corvette und dem Austin Healey - keine Figuren mehr bei. Die hinteren Radausschnitte waren noch die serienmäßigen, also kleiner als die der späteren Wiederauflage aus den ´70ern.
    Schon ein Jahr später ergänzte Revell das Programm mit der ersten Rennversion ("Can be Motorized"), die zwar noch die kleinen hinteren Radausschnitte und die schönen schmalen Plastikräder besaß, aber bereits auf die Stoßstangen, die Radkappen, den Windschutzscheibenrahmen und den Beifahrersitz zugunsten einer Abdeckung verzichtete. Bei der dritten Wiederauflage aus den frühen ´70er Jahren und allen weitern wurden dann die hinteren Radausschnitte vergrößert, um die viel zu breiten Vinylreifen auf irgendwelchen 08/15-Felgen, die jetzt beilagen, noch unterzubringen - schade um den eigentlich wunderschönen Kit!

  • #9

    Christian (Sonntag, 15 Mai 2022 21:22)

    Sic transit gloria mundi. Modernisierung bringt‘s nicht immer. Wenn sowas wenigstens als 3in 1 Kit gekommen wäre.
    Aber der „Renn-911er“, der nicht die breiten Reifen vom Käfer, 914, bzw. Buggy vorne, sondern die überbreiten mit dem eckigen Querschnitt wie die letzte Speedster-Version hatte, war auch seltsam, da es keine Kotflügelverbreiterungen gab. Die waren sogar bei IMSA Vorschrift. Damals hat sich Revell zwar mit dem Käfer, Buggies, dem 68er Mustang etc. verdient, aber auch viel Mist gemacht.