Wie allgemein bekannt und bedauert, gibt es zwar zahlreiche Coupes und Cabrios für uns Modellbauer, aber kaum Station Wagons als Bausätze. Vor allem nicht im Fullsize Bereich. Hier bleibt einem meist nur die Wahl zwischen Resin und/oder neuerdings auch 3D-Druck Kits, die jedoch beide nicht jedermanns Sache sind.
Auf meiner im letzten Jahr erstellten „was ich unbedingt noch bauen möchte“ to-do-Liste findet sich unter anderem auch ein Fullsize-Kombi aus den Sechzigern. Aber das einzige Modell dieser Art, das ich außer dem 60`Plymouth habe, ist ein 65`Lincoln mit Custom-Kombi-Glasdach. Ich wollte aber mal was anderes haben als den allseits bekannten Lincoln. So hab ich mich nach vorhandenem und zu verwendendem Material umgesehen. Mein Schwerpunkt liegt nun mal bei den Coupes und Cabrios, darum fiel die Wahl auf den 64`Mercury. Dieser war ursprünglich dreimal vorhanden und nur das Cabrio steht schon seit längerem in der Vitrine. Und weil eine „strictly-stock-version“ eh unmöglich zu verwirklichen wäre, stand von vornherein fest, dass es („ausnahmsweise“) ein tiefer gelegtes Custom-Schiff werden sollte.
Das Customdach wird beim Lincoln wohl mehr oder weniger gut passen, ist beim Mercury aber zu kurz und konnte daher nicht schon am Frontscheibenrahmen beginnen. Vom abgetrennten Hardtop mussten daher vorne noch etwa 15 mm stehen bleiben, an denen das Dach vom Lincoln angeklebt wurde. Als größtes Problem stellte sich dabei heraus, dass das Lincolndach flacher als das leicht gewölbte vom Mercury ist und daher ohne Übertreibung stundenlang geschliffen und verspachtelt werden musste, bis kein sichtbarer Übergang mehr zu sehen war. Wenigstens bis jetzt und ich hoffe, es bleibt dabei! Entfernt wurden auch Embleme, Schriftzüge, Türgriffe, die Ausstellfenster und die dicken Zierleisten an den Flanken. Da von vornherein eine zweifarbige Lackierung geplant war, bleibt nur die Zierleiste zur optischen Trennung an der Gürtellinie erhalten. Die Außenfarben sind beide von Tamiya: coral blue TS 41 und Glanzschwarz. Reifen und Felgen entstammen wie die Customtürgriffe aus der Teilekiste. Die Chromspitzen auf dem Kühlergrill liefert der Mercury Bausatz aber in dem umfangreichen Chromgießast als Customteil mit. Die Chromteile vom Mercury sind übrigens alles andere als abriebfest. Zum Glück waren sie mehrfach vorhanden, da beim ersten Bearbeitungsversuch sowohl Grill als auch das Heckteil nach dem Abtrennen vom Gießast quasi schon vom angucken ihre Beschichtung eingebüßt hatten.
Im Innenraum wurden die Mittelkonsole, Lenkrad und Schaltknüppel aus dem Fundus ersetzt. Das Mercury Dashbord wurde gegen das vom 65`Chevelle (Revell) ausgetauscht. Gefiel mir halt besser. Die nur spärlich detaillierten Türverkleidungen wurden noch durch Armstützen und pro Seite mit je 20 abgeschnittenen Stecknadelköpfe aufgewertet.
Das Pritschenteil unter dem Glasdach fand sich im 70`Pontiac Bonneville von MPC und ist dort für die Customvariante des Pickups vorgesehen. Auch hier gestaltete sich die Anpassung an den Mercury schwieriger als zunächst gedacht, da das besagte Teil nicht nur länger, sondern nach hinten zu schmäler, niedriger und rundlicher als vorne war. Darum waren auch mehrere Plastikstützen nötig, um das Teil mit der Karosserie und dem Passagierraum sicher zu verkleben. Der Pritschenboden entstand mit D-C-Fix Folie wie auch der grüne Teppichboden vorne.
Hier lässt sich´s aushalten, hat sich vermutlich auch das US-Army Girl (MB-Kit Nr. 24046 „Kitty“) gedacht und sich mit einem Kissen auf dem von hinten leider nicht zugänglichen Laderaum bequem gemacht. Aber sie ist ja noch jung und sportlich, daher bereitete es ihr keinerlei Mühe über die Rücksitzbank zu klettern. Und hier kann sie jetzt unbeschwert ein Nickerchen halten in dem Bewusstsein, dass ihr von oben keinerlei Gefahr droht. Gemäß unserem Motto vom (ehemaligen) Radartiefflug-Fernmelderegiment 17./FM 32: „Sleep tight tonight – your Air Force is awake“. Na, jedenfalls solange es runter dem Glasdach nicht zu heiß wird.
Reinhold Schmidt, Fürth
Kommentar schreiben