1969 Chevrolet Camaro RS/SS

1969 Chevrolet Camaro RS/SS

 

The Hugger

 

Revell, Maßstab 1/25


The Hugger“ (wörtlich: der Umarmer) – wieder so ein Namenskonstrukt, wie es sich nur die Amis ausdenken konnten.  Wie kam es dazu?

 

 

Der Werbung zufolge besaß der gegenüber dem Vorjahr optisch nun bulliger und aggressiver auftretende Camaro ein unnachahmliches Fahrgefühl, gepaart mit einer ausgezeichneten Straßenlage. Dem auserkorenen jungen Zielpublikum wurde auf diese Weise suggeriert, dass ihr „Kamerad“ sich so eng an die Straße anschmiegt, dass er sie quasi umarmen würde.  Dementsprechend wurde er häufig auch mit Unterstützung von attraktiven jungen Damen werbewirksam angepriesen: „Ask the kid who owns one“ – Kenner der ehemaligen Luxusmarke Packard könnte dieser leicht veränderte Slogan bekannt vorkommen.

Zum Höhepunkt der Performance Car Ära gegen Ende der 60iger und frühen 70iger ließ sich die Designerabteilung von GM dann auch passend dazu noch eine auffällige Besonderheit einfallen. Ford hatte sein markantes Grabber Blue, die Mopars ihr Sublime Green und bei Chevrolet setzte man nun unter anderem auch auf die neu eingeführte ikonische Farbe Hugger Orange, die außer für den Camaro ab 1969 ebenfalls für Corvette, Chevelle, Nova und den El-Camino zu haben war.

Hugger Orange geniest aber nicht nur bei Sammlern und Restauratoren von originalen Camaros Kultstatus. Auch Customizer verwenden das auffällige Rot-Orange noch heutzutage gerne auf ihren Projekten. Und zur Freude für uns Modellbauer gibt’s einen nahezu identischen Farbton von Duplicolor mit der Bezeichnung „Blutorange“.

Revell bietet das 1990 neu gestaltete Coupe seither immer wieder in zahlreichen Wiederauflagen in den Versionen SS, Z/28, die (gelbe) Spezialausführung von Don Yenko und schließlich nicht zu vergessen den (blauen) Yenko Camaro aus dem 2. Teil der Fast & Furios Film Saga an. 1997 wurde das nochmals verbesserte Cabrio in der RS-Ausführung und als Pace-Car nachgeschoben.

Da ich mich dem Charme des attraktivsten Camaros der ersten Generation nicht entziehen kann, wurden Coupe und Cabrio gleich mehrmals zugelegt. Der gelbe Yenko Camaro entstand schon vor ca. 20 Jahren und nun war das „normale“ Coupe an der Reihe. Allerdings wollte ich eine annähernd authentische RS-Version haben, weshalb eins der Cabrios auch die korrekten Türverkleidungen, Mittelkonsole, separate Außentürgriffe und als Highlight die Decals für die gepunkteten Sitze spendieren musste.


RS-Grill und Heckleuchten liefert das Coupe ebenfalls mit. Die Rückfahrscheinwerfer sind beim RS im Unterschied zum Standard Camaro unterhalb der hinteren Stoßstange verbaut. Zum Einsatz kamen allerdings nicht die Glasteile aus dem Kit, sondern passende rechteckige Chromteile aus dem Fundus.


Was mir am Camaro der ersten Serie besonders gut gefällt, ist das nur in diesem Baujahr nicht ganz bis zur Fensterkante reichende Vinyldach. So wurden vorbildgerecht dazu im Abstand von ca. 3 Millimeter dünne Evergreen Leistchen aufgeklebt. Farblich fiel die Entscheidung für die Dachlackierung auf cremeweiß von Edding.

Der Bau vom Camaro verlief Revell typisch an sich fast problemlos. Bis zu der Stelle, wenn die Bodengruppe mit Motor und Fahrwerk eingesetzt werden muss. Folgt man dem Bauplan, ist das Heckteil unter der Stoßstange erst nach Einfügen der Bodengruppe einzukleben. Ich hab mich aber entschieden, dies bereits vor der Lackierung anzubringen, weil ich unnötige Klebespuren vermeiden wollte und mit dieser Methode auch die perfekte Ausrichtung des unter der hinteren Stoßstange zu befestigenden Teils besser gelingt. Allerdings muss beim Einsetzen der Bodengruppe der bauchige Body dermaßen gespreizt werden, dass besagtes Heckteil wieder davonfliegen würde und auch die Gefahr von Lack Abplatzern bestünde. Deshalb wurde kurzerhand die Bodengruppe soweit gekürzt und verschmälert, dass sie gerade noch so in den Body passt.  Fällt aber nicht weiter auf, da Karosserie und Boden trotzdem bündig abschließen.


Revell liefert ja seit einiger Zeit schon umfangreiche Decalbögen mit seinen Modellen mit, was ich sehr begrüße. Auch die Qualität hat sich gegenüber den früher oftmals rissigen, teilweise schlecht haftenden und vergilbten „Nassschiebebildchen“ deutlich verbessert! Wobei winzige Decals z. B. für die Schaltwege auf dem Schaltknauf doch ein klein wenig übertrieben sind.  Aber die größte „Sensation“ ist eins für die Zierleistchen um die 3 Fake-Lufteinlässe vor den Hinterrädern. Hab die spaßeshalber probiert. Wie zu erwarten war, sahen die aber äußerst besch-eiden aus und wurden darum gleich wieder runter gemacht. Sind halt dann keine drauf. Spart Gewicht (lol).

Beim Cabrio hat Revell dann doch ein Einsehen gehabt und die Zierleistchen um die Lufteinlässe auf den Body geprägt. So kann man diese mit BMF verchromen. Apropos BMF: Vor dem verchromen der Radläufe – vor allem bei bauchigen Karosserien – hab ich immer einen Heidenrespekt. Und dieses Mal war es besonders schlimm, weil die schon ältere BMF dauernd gerissen ist und zu allem Überfluss teilweise auch nicht mehr optimal geklebt hatte. So hat dieser Arbeitsschritt weit länger gedauert als geplant und unheimlich viel Nerven gekostet. Zeitweise wollt ich den Camaro schon an die Wand schmeißen. Aber einen frischen Bogen BMF wollte ich trotzdem nicht aufmachen. Habs dann aber mit viel Gefluche und etlichen Nacharbeiten doch irgendwie hingekriegt. 

 

 

Am liebsten hätte ich hinterher gleich mit dem Cabrio weitergemacht. Allerdings heb ich mir den Spaß besser für später auf. Sonst könnte es doch ein wenig eintönig werden, oder? Nein – doch nicht bei meinem Lieblings Camaro!

Reinhold Schmidt, Fürth

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